Für die Jugend dieser Welt!

„Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann“


Gerade liegt die EM hinter uns – ein Spektakel, das keiner ignorieren konnte. Nicht einmal die, die es wollten.

Dennoch hätten wir nicht gewagt, Fußball zum Thema eines Impulses zu machen, wenn nicht Giovanni Bosco selbst diesen wunderbaren Sport genutzt und gefördert hätte. Heute weiß jeder, der mit Jugendlichen zusammenarbeitet, was dieses Spiel mitbringt: Disziplin und Spaß, Teamarbeit und Solostärke, Leidenschaft und Regeln, Abbau von Aggressionen, Selbstbewusstsein – und Gemeinschaft.

Vor 150 Jahren war diese Idee nicht nur den Kirchenoberen verdächtig. Ein Pfarrer, der auf der Straße mit den Jungs Fußball spielt? Vorher undenkbar, jetzt zumindest einigen Menschen peinlich. Fast verrückt. Doch Fußball bot Don Bosco die Chance, mit den Straßenkindern der Industriestadt in Kontakt zu kommen. Er gewinnt das Vertrauen der jungen Leute, sie haben gemeinsam Spaß. Die Jugendlichen entwickeln sich sportlich und menschlich.

Dieser Impuls setzt sich bis heute in der Arbeit der Salesianer Don Boscos fort. In fast jedem Projekt gibt es einen Sportplatz. Und oft mehr als das, es gibt Programme und Projekte, die Fußball ganz gezielt als pädagogisches Mittel einsetzen.

 

Viele jugendliche Straßenkinder im südafrikanischen Kapstadt erleben und tun Schlimmes: Sie stehlen, morden, vergewaltigen und sie werden selbst ausgeraubt, vergewaltigt und ermordet. Das Projekt „Street Youth“ im südafrikanischen Kapstadt bietet Straßenkindern eine Unterkunft, Verpflegung, eine handwerkliche Ausbildung und Fußball als Freizeitbeschäftigung. So können sie Kind sein – und einen Weg zurück in die Gesellschaft finden.

 

Bleiben wir in Südafrika: Die Fußballschule in Walkerville liegt südlich von Johannesburg in der dicht bevölkerten Provinz Gauteng. Mehr als 200.000 Kinder verloren hier ihre Eltern durch die Folgen von Aids. Deswegen hat Walkerville für Kinder Sport,  Ausbildung und das HIV/AIDS-Aufklärungsprogramm „Love Matters“.

 

Und auch in Europa erreicht Don Bosco mit Fußball junge Menschen. Die Ukraine ist kein Land mit einer stabilen Demokratie und einem offenen Zugang zu Bildung. Seit 1992 arbeiten die Salesianer hier, um junge Menschen in ihrer schwierigen Situation zu unterstützen. Viele von ihnen verbringen viel Zeit auf der Straße. Besuche in Lokalen können sie sich nicht leisten, daheim ist kein Platz, und das Alternativen wie Jugendzentren oder Sportvereine sind viel zu selten. Drogenkonsum und eine hohe Gewaltbereitschaft sind auf der Straße ständige Begleiter. Klar, dass die Salesianer auf diese Situation reagieren – und fast genauso klar, dass Fußball daran beteiligt ist.

 

In Lviv gibt es ein Sportzentrum mit einer Fußballschule und einem eigenen Club, dem  FC Pokrova. Hier sind rund 310 Kinder und Jugendlich aus der Stadt und der Umgebung beheimatet. Sie erleben hier Spaß, Stolz, und vor allem eine ganzheitliche Bildung. Silvia Cromm, Leiterin der Projektabteilung bei Don Bosco Mondo und Markus Koth, Projektreferent Indien, durften das in diesem EM-Sommer miterleben. Das Lächeln der Kinder und die Gemeinschaft von Fans aus verschiedenen Ländern hat sie angesteckt.

 

"Hateful"

„Politik gehört nicht auf den Platz“ sagen viele. Manchmal ist sie aber schon lange da…

 

Es gibt Phänomene im Fußball, von denen wollten gerade im Vorfeld der Europameisterschaft nicht viele Menschen etwas wissen.Obwohl diese Phänomene dokumentiert waren und als Bericht im Internet zur Verfügung standen. Natürlich hatte die UEFA wie vor anderen großen Fußball-Wettbewerben eine Monitoring-Stelle eingerichtet, die Vorfälle in den beiden Gastgeberländern dokumentieren sollte. Vorfälle, in denen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus eine zentrale Rolle spielten. In Kiew war die Zentrale der Monitoring-Stelle, die ich 2010 besucht habe. Dort wurde leider nicht systematisch gearbeitet, aber einige aktive Fans aus beiden Ländern sammelten Informationen.

 

Im April 2011 erschien der englischsprachige "Hateful" über schwere Fälle von Diskriminierung und Rassismus in Polen und der Ukraine, die zwischen September 2009 und März 2011 stattgefunden haben. Die deutschen Medien interessierten sich zu dem Zeitpunkt noch nicht sehr für dieses Thema. Um die Veröffentlichung kümmerten sich die Organisationen "Never again" aus Polen und "Football Against Prejudices" aus der Ukraine.

 

195 Fälle schwerer, teilweise gewalttätiger diskriminierender oder rassistischer Handlungen wurden dokumentiert. Das Vorwort des Berichtes nennt diese "die Spitze eines Eisbergs". 133 Fälle in Polen, 62 Fälle in der Ukraine, 107 davon involvierten faschistische und extrem rechte Symbole, oft in Anlehnung an den deutschen Nationalsozialismus, 38 davon waren antisemitisch, 20 davon richteten sich gegen "Schwarze" Die anderen Handlungen waren antiislamisch, homophob, gegen Roma und Behinderte.

 

Die meisten Berichte aus der Ukraine dokumentieren faschistische oder extrem rechte Banner in Fußballstadien der ersten Liga. Dass es nicht bei solchen Demonstrationen bleibt, zeigt der brutalste Vorfall: 

 

Kiew, 15. August 2010



Bei dem Erstligaspiel zwischen Arsenal Kiew und Volyn Lutsk zeigten Fans von Arsenal zum ersten Mal öffentlich ihre Gesinnung: Mit antirassistischen Bannern und solchen, die inhaftierte russische Antifaschisten unterstützen sollten. Nach dem Abpfiff wurden 30 von ihnen auf dem Weg zur Metro von 50 Neonazis angegriffen. Die bewaffneten Schläger riefen "Heil Hitler" und "White Power". Es gab schwere Verletzungen: Ein antifaschistischer Fan, der bewusstlos bäuchlings auf dem Boden lag, wurde drei mal mit einem Messer in den Rücken gestochen; ein weiterer wurde mit zeitweiligem Gedächtnisverlust und einer Gehirnverletzung ins Krankenhaus eingeliefert.

 

Die Polizei verhaftete vier der Angreifer, einer hatte ein blutbeflecktes Messer bei sich. Die Polizei verzichtete auf eine weitere Untersuchung, weil der Fall nicht ideologisch motiviert gewesen sei. Die Recherchen der betroffenen Fans ergaben, dass der Überfall von der "Terror Family", einer extrem rechten Hooligan-Gruppe, organisiert war.

 

Wir wissen, wie viel Freude Fußball machen kann. Wir wissen, dass Fußball auch negative Seiten hat: Rivalität bis zum Hass, oder zur Diskriminierung.

 

Beides haben wir während EM gesehen:
* Begeisternde Iren, die auch in der Niederlage niemals ihre gute Laune verloren – und lächelnde Kinder in Lviv.
Aber auch:
* Manipulation von TV-Bildern, Unterdrückung von gesellschaftlichem Protest und Schlägereien zwischen Hooligans.

 

Markus fasst das so zusammen:
„Wir haben die Stimmung in der Ukraine während unseres Projektaufenthaltes sehr positiv wahrgenommen. Die Menschen haben sich gefreut, Gastgeber dieser Veranstaltung zu sein, sie waren offen. Sie sind auf uns zu gekommen, wenn sie merkten, dass wir Hilfe brauchten und waren gerne bereit Auskunft zu geben, wenn man sie fragte. Sprachliche Probleme wurden mit Gesten überbrückt, wo die Englischkenntnisse nicht ausreichten. 

 

Kritisch muss man natürlich fragen, inwiefern diese positive Stimmung und das positive Bild der Ukraine, das uns vermittelt wurde, der Realität entsprach. Dank unserer Partner erfuhren wir, dass nicht alles Gold war was glänzte. Das undemokratische Regime konnte die Veranstaltung nutzen, um sich als weltoffen zu präsentieren.

 

Wer profitierte mehr?
Die einfache Bevölkerung, die ökonomisch ein wenig von den Besuchermassen profitieren konnte, sich vom Alltag ablenken und nun stolz darauf sein kann, eine Veranstaltung solcher Größe ohne größere Probleme umgesetzt zu haben?
Oder das Regime, dass neue Stadien für hunderte von Millionen Euros bauen ließ und die Infrastruktur der Spielorte ein wenig verbesserte, aber die sozialen Belange der Menschen nicht anging? Vielleicht  wird es die Zukunft zeigen, vielleicht gibt es einfach auch keine klare Antwort auf diese Frage.

 

Sicher ist, dass Fans verschiedener Nationen gemeinsam jubelten und feierten. Als positives Beispiel für gelungene Völkerverständigung können die portugiesischen Fans genannt werden, die sich in den Bus für deutsche Fans schmuggelten, um gemeinsam mit uns zum Stadion zu fahren. Schon nach kurzer Zeit trat das südländische Temperament hervor und portugiesische Fangesänge wurden angestimmt. Die Antwort ließ natürlich nicht lange auf sich warten und schon sang der deutsche Teil im Bus. Da die Fahrt recht lange dauert und das Lied-Repertoire der Fußballfans teilweise begrenzt ist, folgte schließlich die Nationalhymne, die die Portugiesen mit Applaus bedachten, um anschließend die eigene Hymne zu singen –und auch hier wurde applaudiert und man freute sich gemeinsam und voller Respekt voreinander auf das anstehende Spiel„

 

Wir glauben daran, dass die positiven Seiten des Fußballs stärker sind.
Wenn das Spiel in den Händen der Jugend, der Fans und der Spieler ist, wird es immer mehr geben, was uns verbindet, als was uns trennt.
Wir glauben an die Veränderung zum Guten.
Denn: „Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann"

 

 

DON BOSCO MISSION
Sträßchensweg 3 - 53113 Bonn - Germany
Tel: +49 228 539 65-0 - Fax: +49 228 539 65-65 - E-Mail
Spendenkonto: 22 37 80 15 - BLZ 370 601 93 - Pax Bank