Für die Jugend dieser Welt!

Gebt Zeugnis von der Hoffnung, die euch erfüllt!



Pater Toni Rogger

Dieser Beitrag stamm aus der Zeitschrift WeltWeit  www.weltweit.ch

Über 16.000 Salesianer Don Boscos setzen sich weltweit für Kinder und Jugendliche ein. Doch warum entscheiden sie sich für ein Leben im Orden? Pater Toni Rogger gibt Antwort…

 

Über Jahrhunderte waren Klöster in unserem Land geistliche Zentren, die das Denken und Leben der Menschen nachhaltig beeinflusst haben. Heute haben sie einiges von ihrem früheren Glanz verloren.

 

Es ist unübersehbar, dass Klöster und Ordensgemeinschaften an einem Wendepunkt stehen. Die Kluft zwischen einer klösterlichen Eigenwelt und der neuzeitlichen Gesellschaft wird immer grösser. Überalterung, zurückgehende Eintritte, Arbeitsüberlastung, gewachsene Ansprüche an das geistliche und gemeinschaftliche Leben, Austritte, Abgabe oder Umgestaltung der Werke, all das sind Symptome für einen tiefgreifenden Wandel in der Ordenslandschaft und in unserer Gesellschaft.

 

Dennoch erfahre ich immer wieder, mit welchem Respekt und welcher Wertschätzung Menschen unterschiedlichster Herkunft und Denkweise uns Ordensleute betrachten. Manchmal ziehen sich Menschen in ein Kloster zurück. Darunter sind gut bezahlte Manager und Führungskräfte. Sie suchen im Kloster die Stille, den Frieden, die Harmonie, geistliche Impulse, Begegnung mit dem Göttlichen und daraus Orientierung und Kraft für den Alltag. Sie suchen Menschen, die von der Hoffnung erfüllt sind und aus dieser Hoffnung heraus leben.

 

In einer materialistischen und kapitalistischen Zeit und in einer Zeit, in der Selbstverwirklichung grossgeschrieben wird, gibt es allerdings auch Menschen, für die ein Ordensleben exotisch erscheint und kaum mehr nachvollziehbar ist. Die Ordensprofess mit dem Versprechen, gehorsam, arm und ehelos zu leben, widerspricht diametral ihrem Verständnis menschlicher Entfaltung und eines freien Lebens.

 

Offene und suchende Menschen hingegen können die Zeichenhaftigkeit des Ordenslebens durchaus ergründen. Sie spüren, dass es im Leben mehr geben muss als Macht und Geld, Ansehen und Egoismus. Sie sehen in Ordensleuten Menschen, die den Mut haben, in Gemeinschaft einen anderen Weg zu gehen. Und sie erahnen, dass Orden eine «göttliche Gabe» an die Kirche sind, wie das Konzilsdokument «Lumen gentium» es ausdrückt. Orden halten in unserer Welt den absoluten Vorrang Gottes präsent. Es ist der Vorrang der Gnade vor der menschlichen Leistung. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, formuliert das in einem Vortrag an der Deutschen Ordensobernkonferenz am 6.Juni 2011 so: «Es muss einen Vorrang der Berufung zur Heiligkeit vor der menschlichen Selbstdarstellung geben, einen Vorrang der Personen vor den Strukturen, einen Vorrang des gemeinsamen Bemühens vor dem Alleingang einzelner, einen Vorrang des Dienens vor dem Amt und allen anderen Beauftragungen, einen Vorrang des verborgenen Fruchttragens vor dem publikumwirksamen Auftritt, einen Vorrang der Armen und Bedrängten vor den Mächtigen und Reichen.»

 

 

Wir Ordensleute entscheiden uns ganz bewusst zum selbstlosen Dienst an Gott und den Menschen. Dieser Dienst ist wichtiger als die Erhaltung von Strukturen. Er verhilft Menschen zu einer anderen Weltsicht und eröffnet Zugang zu einem Gott, der uns alle in seiner grenzenlosen Liebe in seine Arme schliesst. Es ist ein Dienst, der uns mit Hoffnung erfüllt. Und diese Hoffnung teilen wir mit allen Menschen guten Willens.

 

 

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