Weltweiter Einsatz für Kinder und Jugendliche

Ordensbruder Jean Paul Muller leitet die Don Bosco Mission

 

32 Länder hat er in den letzten Jahren bereist. Da lernt man schon einiges kennen von der Welt. Trotzdem ist Jean Paul Muller vom katholischen Orden der Salesianer Don Boscos immer wieder aufs Neue schockiert, wenn er mit der Not von Kindern und Jugendlichen in der Dritten Welt konfrontiert wird. Zum Beispiel im karibischen Haiti, seiner letzten Station. „Überall sind Straßenkinder,“ sagt Muller. „Sie vegetieren im Straßengraben, wühlen im Müll auf der Suche nach Essbarem. Und wenn sie betteln, treten die Menschen nach ihnen. Das bricht mir das Herz.“ 

 

Der Ordensbruder ist Leiter der Bonner Missionsprokur der Salesianer Don Boscos. Einem katholischen Orden, der sich den weltweiten Einsatz für arme und sozial benachteiligte Jugendliche auf die Fahnen geschrieben hat. Von DON BOSCO MISSION in Bonn aus werden Hilfsprojekte des Ordens in 132 Ländern im Bereich Schul- und Berufsbildung geprüft, koordiniert und finanziert. „Soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle, die keine Lobby haben – das ist ein zentrales Anliegen des Christentums,“  sagt Jean Paul Muller über seine Motivation.

  

Und wenn sich der gebürtige Luxemburger für die Bedürfnisse und Probleme junger Leute einsetzt, weiß er genau, wovon er spricht. Denn mit jungen Leuten arbeitet der 47-jährige seit seiner Kindheit. 

 

Geboren im Moselstädtchen Grevenmacher in Luxemburg absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger, engagierte sich in seiner Freizeit bei den Pfadfindern. Erst als einfaches Mitglied, dann als Gruppenleiter. Durch seine Jugendarbeit kam er mit den Salesianern Don Boscos in Kontakt – und war sofort begeistert. „Die saßen nicht abgeschottet im Büro, sondern waren den ganzen Tag mit Jugendlichen zusammen. Nicht nur reden, sondern etwas für Jugendliche und mit Jugendlichen bewegen, das gefiel mir.“

 

Bei diesen Jugendlichen handelt es sich um Jungen und Mädchen, die verwahrlost sind, von den Eltern verprügelt, sexuell missbraucht oder vernachlässigt wurden. Auf der ganzen Welt betreiben die Ordensleute offene Jugendarbeit. Darüber hinaus bieten sie ihnen Hilfe beim Nachholen des Schulabschlusses oder eine Berufsausbildung in eigenen Werkstätten.

Die Faszination für diese Projekte war so groß, dass der 20-jährige Muller in den Orden eintrat. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat. „Mir war klar: Christus spricht mich durch die Jugendlichen an. Das passte einfach.“ Zum Noviziat ging er nach Jünkerath in der Eifel, es folgte eine Ausbildung zum Erzieher und ein Studium der Heilpädagogik in Köln. 1993 wurde der Ordensmann Leiter des Salesianischen Jugendhilfezentrums in Hellenenberg bei Trier, arbeitete dort mit verhaltensgestörten und sozial auffälligen Jugendlichen. Kein einfacher Job. Trotzdem war er mit Leib und Seele dabei, bis vor zwei Jahren der Ruf nach Bonn folgte.

  

Wie lebt er heute als Missionsprokurator? Bei Ordensleuten sind üblicherweise Wohn- und Arbeitsplatz  identisch. Zusammen mit fünf Mitbrüdern lebt er in der Missionsprokur. Ein kleines Zimmer direkt neben dem Büro, Toilette und Dusche auf dem Flur - ihm reicht das. „Mir ist die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten wichtig,“ sagt Muller. „Wenn man keine Familie ernähren muss, braucht man nicht viel. Und im Vergleich dazu, wie wenig viele Menschen in der Dritten Welt zur Verfügung haben, ist mein Leben hier Luxus pur.“ 

 

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