Hoffnung in Manzini - Mit Schule und Ausbildung gegen AIDS in Swasiland

 HIV/AIDS ist das alles beherrschende Thema in Swasiland. Kein anderes Land auf der Welt weist eine so hohe AIDS-Rate auf wie das kleine Königreich zwischen Südafrika und Mosambik.

Die Salesianer Don Boscos haben der Pandemie in Manzini, der größten Stadt  und industrielles Zentrum des Landes, den Kampf angesagt. HIV/AIDS steht in den salesianischen Schulen, Lehrwerkstätten, Straßenkinderheimen und sozialen Projekten ganz oben auf der Agenda. Mit ihrer ganzheitlichen Präventionspädagogik setzen die Salesianer auf Aufklärung und Eigenverantwortung – und das mit Erfolg!

 

In Swasiland stirbt niemand an AIDS


„In Swasiland stirbt niemand an AIDS. Man stirbt an Tuberkulose“ zitiert Pater Larry McDonnell SDB den im Land weit verbreiteten Irrglauben. Dabei mangelt es nicht an Informationen zum Thema. Vielmehr verunsichert die Vielfalt der Botschaften der zahlreichen Aufklärungskampagnen. Gerade bei den Kindern und Jugendlichen bleiben dann wilde Gerüchte hängen, etwa dass man durch Kondome Würmer oder AIDS bekommt. Salesianerpater Larry McDonnell weiß, wie wichtig eine seriöse Aufklärung ist. Für eine nachhaltige Änderung des Verhaltens ist jedoch mehr erforderlich.

„Schule und Ausbildung sind der Schlüssel zum Wandel. Wir geben den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive; etwas, wofür es sich lohnt, weiterzumachen“ sagt P. Larry.

Warum das so ist, wird deutlich, wenn man sich die wesentlichen Ursachen und Wirkungszusammenhänge von HIV/AIDS in Swasiland vor Augen führt: Es ist eine explosive Mischung aus Armut, soziokulturellen Einstellungen und Praktiken, die zur Überlastung von Familien und Gesundheitssystemen führt. Bis heute hat die Politik darauf keine Antwort gefunden. Armut und AIDS verstärken sich wechselseitig. Weil vor allem Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter sterben, sieht man immer häufiger Familien mit der Großmutter oder einem Kind als Haushaltsvorstand. Wenn ein Elternteil krank wird, kann es nicht mehr arbeiten und bedarf häuslicher Pflege. Familienangehörige geben ihre Arbeit auf, um für die Kranken da zu sein. Dann fehlen zwei Einkommen. Gleichzeitig muss Geld für die Pflege – und im Todesfall für die Beerdigung aufgebracht werden.

 

Familien zerbrechen


Für die Kinder und Jugendliche ist die Situation besonders schlimm, da die Familien auseinander brechen. Weil die Kinder nicht mehr ernährt werden können, flüchten sie auf die Straße. Etwa 80 % der 1,1 Mio. Swasis verfügen über weniger als 2 US-$ am Tag, zwei Drittel leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Armut zwingt Mädchen und Frauen in die Prostitution, die kurzfristig das Überleben sichert. So steigt auch die Zahl der HIV-infizierten jungen Frauen dramatisch. Damit schwinden wiederum ihre Aussichten auf eine schulische oder berufliche Ausbildung, zumal das Schulsystem massiv unter Lehrermangel leidet: Lehrer sind die häufigsten AIDS-Opfer. Der Kreislauf von Armut und AIDS bekommt erneut Schwung.

 

Bildung ist der Schlüssel zum Wandel


Diesen Kreislauf aufzubrechen, ist erklärtes Ziel der Salesianer Don Boscos. Seit mehr als 30 Jahren steht das Don Bosco Zentrum in Manzini für ganzheitliche und zukunftsgerichtete Jugendsozialarbeit. Unter dem Namen „Manzini Youth Care“ bieten die Salesianer ein breites Förderangebot für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche: Hier finden sie ein Zuhause, einen Platz zum Lernen und Spielen und Jemanden, der ihnen Antworten auf die Fragen des Lebens gibt. 100 Straßenkinder und 30 AIDS-Waisen sind in fünf einfachen Heimen untergebracht. Im Jugendzentrum kommen bis zu 300 Kinder und Jugendliche zusammen, um zu spielen, musizieren, Sport zu treiben. Die Enjabulweni Brückenschule und das Bosco Study Centre fördern darüber hinaus Kinder und Jugendliche, die etwa durch ihre Lebensumstände noch nie in einer Schule waren oder zu alt für die Primarschule sind. 800 Schüler wird durch ein Stipendienprogramm der Schulbesuch ermöglicht

Für Pater Larry schaffen Arbeit und Einkommen einen spürbaren Nutzen und wirklichen Anreiz zur Verhaltensänderung. Darum sind die praktischen beruflichen Ausbildungsprogramme sehr wichtig, die zum Beispiel am Likusasa Life Skills Centre angeboten werden. Hier werden jungen Männern und Frauen grundlegende berufsbezogene Fertigkeiten vermittelt wie Catering, Nähkurse, PC-Kurse, Elektrotechnik und Metallverarbeitung. Berühmt ist die Marmeladenfabrik Eswatini Kitchen, in der 52 bedürftige Frauen Marmeladen- und Chutneygläser produzieren und in 13 Länder exportieren, um damit Geld für die sozialen Projekte wie die Straßenkinderheime und die Suppenküche zu finanzieren. Neuerdings gehört auch das Programm Mamma Margaret dazu, das die unternehmerische Selbständigkeit von alleinerziehenden Müttern fördert. Sie stellen einheimisches Kunsthandwerk her, das über die Salesianer vermarktet wird. die Produkte und bezahlt den Frauen ein schmales Gehalt. Hier finden regelmäßig Workshops zu Gesundheitsvorsorge, AIDS-Aufklärung und Schutz der Frauen vor Gewalt statt. Alle Ausbildungsgänge dienen auch dem Aufbau von Selbstvertrauen und der Übernahme von Verantwortung.

 

„Aufgeben? Niemals!“

Der Auszubildenden Diana gefällt, dass Gewalt gegen Frauen thematisiert wird. „Bei uns bestimmen die Männer alles,“ sagt die junge Frau, die bei den Salesianern einen Catering-Kurs absolviert. „Wenn wir von ihnen einen AIDS-Test verlangen oder den Sex verweigern, gehen sie auf uns los.“ Viele Männer steckten ihre Frauen an und setzten sie auf die Straße, sobald die Krankheit ausbricht, so die 24-Jährige. Während ihrer Ausbildung hat Diana gelernt, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu bauen. „Ich will mich selbständig machen und einen Mann suchen, der mich unterstützt. Wenn ich den nicht finde, schaffe ich es allein.“

Pater Larry kann sich noch genau an eine Begegnung mit einer Swasi erinnern: „Sie sagte mir, wenn Sie uns helfen wollen und HIV/AIDS stoppen wollen, dann müssen Sie uns Frauen stark machen, um unseren Männern auch NEIN sagen zu können!“ Der Salesianerpater ist sich sicher: „Wir können nicht allen helfen. Aber was wir tun, hilft durchzuhalten“

 

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Aids in Subsahara Afrika

Ende 2005 waren knapp 25 Mio. Menschen in Subsahara Afrika HIV-infiziert, davon waren 2 Mio. jünger als 15 Jahre alt. 2 Mio. Erwachsene und Kinder starben in Subsahara Afrika an AIDS, das sind mehr als 2/3 der AIDS-Toten weltweit.

Die AIDS-Rate in Swasiland ist mit 38,8 % die höchste weltweit . 1,2 Mio. Menschen leben auf einer Fläche so groß wie Thüringen – noch. Denn trotz der hohen Geburtenrate schrumpft die Bevölkerung Swasilands. Schon heute gibt es 150.000 AIDS-Waisen, Tendenz steigend.

 

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