Jugendarbeit und Berufsbildung in Rumänien


Nur langsam bekommt Rumänien seine wirtschaftlichen Probleme in den Griff. Die soziale Not ist groß, besonders für Kinder. Die beiden Don Bosco-Zentren im Land reagieren vielfältig auf diese Herausforderungen. In den Städten Constanta  und Bacau gibt es Hilfe für Schulabrecher, ein Zuhause für Straßenkinder und qualifizierte Ausbildungen für Jugendliche.  Die Salesianer gehen vor allem auf diejenigen zu, die am Rande der Gesellschaft stehen. Die Hafenstadt Constanta  im Südosten Rumäniens hat 316.000 Einwohner und liegt am Schwarzen Meer. Sandstrände, Boutiquen und Cafés locken Touristen aus Europa an. Doch ein paar Kilometer von der eleganten Strandpromenade entfernt sieht die Welt ganz anders aus: Baufällige Baracken, windschiefe Häuser mit lecken Dächern und armselige Hütten prägen das Stadtbild. Wer genau hinsieht, entdeckt vor allem Kinder und Jugendliche auf den Straßen. Viele von ihnen sind verlassene Kinder.

 

Eltern lassen ihre Kinder im Stich

Ihre Eltern haben Rumänien verlassen, versuchen ihr Glück in Italien und anderen Ländern der EU. Manche schicken regelmäßig Geld, andere scheinen ihre Kinder vergessen zu haben. Während sie sich im Westen eine neue Existenz aufbauen, sind die Kinder auf sich allein gestellt.  Rumänien hat seit dem EU-Beitritt große Fortschritte gemacht. Trotzdem gibt es noch zahlreiche Probleme. Die mangelhafte Integration der ethnischen Minderheiten (Roma) hat dem Land eine Klage des Europäischen Gerichtshofes eingebracht und die verbreitete soziale Not ist auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Ceaucescu-Regimes spürbar. Ca. zehn Millionen Menschen der 22 Millionen Einwohner leben in Armut.

„Es ist nicht nur die materielle Armut, sondern vielfach auch der moralische Werteverfall, den wir mit Sorge beobachten,“ so Pater Andrei von den Salesianern Don Boscos. Er ist der Projektleiter des Jugend- und Sozialzentrums in einem der Armenviertel am Stadtrand von Constanta. Alkohol, Drogen und Gewalt belasten die Familienverhältnisse, dazu kommt die krasse Arbeitslosigkeit.

 



Das Don Bosco-Zentrum möchte hier ansetzen. Familienberater und Streetworker helfen präventiv und machen Hausbesuche. 15 Kinder können in einem der drei betreuten Wohnhäuser unterkommen, wenn die Situation zuhause nicht mehr tragbar ist.  Die 6er-Gruppen sind wie eine normale Familie organisiert – kein Vergleich zu den überfüllten staatlichen Waisenhäusern. Die Salesianer wollen den Jugendlichen ein kreatives Freizeitprogramm als Alternative zum tristen Alltag anbieten. Darüber hinaus sollen sie eine Schul- und Berufsausbildung erhalten. Darin sind die Ordensmänner Spezialisten. Auf der ganzen Welt gibt es Don Bosco-Werkstätten und Ausbildungsbetriebe.

 

Gute Jobaussichten für Absolventen

So auch in Bacau, einer Stadt im Nordosten Rumäniens. „Durch den EU-Beitritt sind viele Investoren in das Land gekommen und ein regelrechter Bauboom ist ausgebrochen. Darauf haben wir reagiert und bilden vor allem Sanitär- und Elektroinstallateure aus. 100 Mädchen und Jungen machen hier zur Zeit eine Ausbildung“, so Pater Andrei. Der Verkauf der Produkte und Erzeugnisse deckt einen Teil der Kosten, der Rest wird mit Spenden finanziert. Die Ausbildung ist fundiert und daher beliebt bei den mittelständischen Unternehmen in Bacau. In Constanta  ist es vor allem die EDV-Ausbildung, die Aussichten auf einen sicheren Job verspricht. Inzwischen sind die Kurse alle EU-zertifiziert.

 

Präventive Jugendarbeit


Wie schon Ordensgründer Johannes Bosco 1850 in Turin setzen die Salesianer auf Prävention. „Wir wollen verhindern, dass Kinder überhaupt auf der Straße landen. Daher widmen wir uns jetzt verstärkt Schulabbrechern“, erklärt Pater Andrei. Integrationskurse und psychologische Betreuung helfen den Jugendlichen, wieder Anschluss an eine reguläre Klasse zu finden. Das Jugendzentrum in Bacau hat ein umfassendes Nachhilfeprojekt gestartet. Es hat seine Tore außerdem für Eltern geöffnet und bietet Kurse und Workshops an. In Zukunft soll die Familienberatung auf die umliegenden Dörfer ausgeweitet werden. Hier ist die Armut oft bedrückender, die Zukunftsaussichten noch frustrierender. Die Berater geben Hilfen in Erziehungsfragen und nehmen sich der Sorgen und Nöte der Menschen an.

 

In Constanta  ist ein ganzes Team damit beschäftigt, die „verlassenen Kinder“ zu unterstützen. Dass hier 16jährige drei weitere jüngere Geschwister versorgen, ist dabei keine Seltenheit.  Neben finanziellen Hilfen, sowie Essen und Kleidung ist besonders die psychosoziale Betreuung dieser Kinder wichtig.

„Gerade die Älteren haben oft niemanden bei dem sie ihr Herz erleichtern können. Wir geben ihnen Respekt und Liebe, hören uns ihre Probleme an. Das ist das Wichtigste.“

 

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Die Arbeit der Salesianer in Rumänien zeigt Erfolge. Sichtbar weniger Straßenkinder gibt es in Constanta  als noch vor zehn Jahren. Schreckliche Bilder sandten die Ordensmänner damals an Don Bosco Mission. Kinder hausten in Kanallöchern, fünf Meter unter der Erde bei Minusgraden. Von Zeit zu Zeit kam die Polizei vorbei und sprühte Tränengas in den Untergrund, schlug die Kinder. Das ist heute weitgehend Vergangenheit. Nicht nur die aufsuchende Jugendarbeit hat dies ermöglicht. Die Salesianer haben vor allem mit Polizei und Behörden zusammengearbeitet, um die Situation in den staatlichen Heimen zu verbessern und geholfen, mehr Einrichtungen zu schaffen. Diese Erfolge sollen nun langfristig gesichert werden.

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Familienersatz und Mittagessen in der Wohngruppe „Magone“