Kindersoldaten


Als Kindersoldaten werden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bezeichnet, die von regulären Armeen oder anderen bewaffneten Gruppen rekrutiert worden sind. Sie dienen als Kämpfer, Spione und Nachrichtenübermittler,  Köche und Träger. Weibliche Kindersoldatinnen werden in vielen Fällen als Sexsklavinnen missbraucht. 2007 gab es weltweit rund 250.000 Kindersoldaten, die meisten von ihnen in Afrika und Asien. Etwa 40 Prozent von ihnen sind laut UNICEF Mädchen. Besonders viele Kindersoldaten werden in den Konflikten in Myanmar, in der Demokratischen Republik Kongo und in Kolumbien eingesetzt.

 

Die Zeit als Soldaten ist für die Kinder eine traumatische Erfahrung, die sie ein Leben lang verfolgt. Als Soldaten führen sie ein Leben, in dem absoluter Gehorsam verlangt wird: sie müssen morden, plündern und kämpfen, wer aussteigen will, spielt mit seinem Leben.

Warum Kinder zu Soldaten werden


Ein Teil der Kinder wird zwangsrekrutiert und von den bewaffneten Gruppen gezwungen, sich ihnen anzuschließen. Der Großteil der Kindersoldaten tritt den nationalen Armeen oder anderen Einheiten jedoch freiwillig bei. Die Gründe dafür sind zahlreich. Obwohl schon Kinder ab 8 Jahren in Konflikten kämpfen, sind die meisten von ihnen doch Jugendliche. In dieser schwierigen Phase der Pubertät haben viele ein extremes Gerechtigkeitsempfinden und lassen sich daher leicht von nationalen Befreiungsarmeen, Guerillaorganisationen und Rebellen instrumentalisieren. Sie glauben, für eine gerechte Sache zu kämpfen.  Auch  mangelt es in vielen Ländern an Zukunftsperspektiven für Jugendliche, die oft trotz Schulausbildung keine Aussichten auf einen Job haben. Sie haben nur die Wahl zwischen Armee und Hunger. Viele Kindersoldaten haben durch Kriege oder Krankheiten wie HIV/AIDS ihre Familien verloren und fühlen sich alleine und machtlos.  Das Tragen einer Waffe verleiht ihnen das Gefühl der Macht und eine Möglichkeit, sich für Ungerechtigkeiten oder schlimme Erlebnisse in der Vergangenheit zu rächen.  

 

Häufig kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, die ein Kind dazu bringen, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen. So wie bei dem 11-jährigen Wisseh aus Liberia. Vor dem Bürgerkrieg im Land wurden seine Eltern von den Menschen in seinem Dorf der Hexerei bezichtigt. Sie hätten durch ihre Zauberkraft die Ernte vernichtet. Man behandelte sie schlecht, und als die Eltern starben, wurde auch Andrew der Hexerei verdächtigt. Als dann im Bürgerkrieg die Rebellen ins Dorf kamen, schloss Andrew sich ihnen an. In dem Dorf sah er für sich keine Zukunft. Er erzählte seinem Kommandeur davon, wie er im Dorf behandelt worden war. So kehrte er mit den Rebellen zurück ins Dorf und brannte es nieder, um Rache zu nehmen für sich und seine Eltern.

 

Viele Kindersoldaten haben ihr ganzes Leben nichts anderes als Krieg kennengelernt. Die Langfristigkeit vieler Konflikte führt dazu, dass die Kinder mit Gewalt groß werden und sie als normal empfinden. Um sie zu gehorsamen Kampfmaschinen zu machen, wird ihre Psyche von den bewaffneten Gruppen gebrochen. Sie müssen beispielsweise Angehörige oder Freunde töten, um ihre Loyalität zu beweisen und nicht selbst getötet zu werden.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind immer noch lückenhaft


Trotz der UN-Kinderrechtskonvention und dem Zusatzprotokoll über Kinder in bewaffneten Konflikten, das von 120 Staaten unterzeichnet wurde, werden weiterhin tausende von Kindersoldaten rekrutiert. Die Technologie der Kleinwaffen, die von Kindern leicht bedient werden können, begünstigt den Einsatz von Kindersoldaten in Kriegen. Denn anders als im Mittelalter kann heute schon ein 8jähriger ein Maschinengewehr oder eine Pistole über weite Strecken tragen und benutzen. Hier sollte auch Deutschland als „Europameister“ bei Rüstungsexporten seine Rolle überdenken. Die existierenden Gesetze werden immer wieder unterlaufen und so landen auch deutsche Waffen immer wieder in Krisengebieten.

 

Nach internationalem Recht müssen Kindersoldaten vor allem als Opfer und nicht als Täter betrachtet werden, sie sollen Unterstützung bei der Reintegration erfahren und nicht wie erwachsene Kämpfer für ihre Taten von Gericht gestellt werden. Doch in der Praxis kommen immer noch viel zu viele von ihnen in Haft und werden Folter und Misshandlungen ausgesetzt.

Der schwierige Weg zurück in ein neues Leben


Nach dem Ende eines Konfliktes ist es schwer, die Kinder wieder in die Gesellschaft zu reintegrieren. Sie bleiben oftmals ihr Leben lang stigmatisiert. Da die meisten von ihnen keinen Schulabschluss oder eine Ausbildung haben, ist es schwierig für sie, auf eigenen Beinen zu stehen. Die Salesianer Don Boscos helfen in vielen Kriegsgebieten der Welt dabei, die Kinder zurück zu ihren Familien zu bringen und sie mit der Gesellschaft zu versöhnen. In Sri Lanka, Liberia, Kolumbien und anderen Ländern ermöglichen sie ihnen durch eine Schul- und Berufsausbildung einen Weg in eine bessere Zukunft. Viele von ihnen neigen zu aggressivem Verhalten, misstrauen echten Bindungen und können sich nur schwer an Regeln halten. Hier hilft der Sport ihnen, Dampf abzulassen und Fairness zu lernen.  

 

Die Salesianer haben viel Erfahrung bei der Arbeit mit Kindersoldaten. Sie arbeiten in offiziellen Demobilisierungsprogrammen der Regierungen, wie etwa in Liberia, wo das Don Bosco Zentrum  führend mit dem Entwaffnungs- und Rehabilitierungsprozess betraut wurde. Viele Kinder suchen die Projekte der Salesianer auch von sich aus auf, um dem Leben als Soldat zu entfliehen.

 

In Sri Lanka, wo der blutige Bürgerkrieg 2009 offiziell beendet wurde, fristen immer noch zahlreiche  ehemalige Kindersoldaten ihr Dasein in Flüchtlings- und Gefangenenlagern. Die Salesianer dort versuchen, die Jungen und Mädchen aus den Lagern zu holen, um ihnen dann durch Ausbildung und die Rückführung in ihre Familien den Start in ein besseres Leben zu ermöglichen.

 

Nicht bei allen ehemaligen Kindersoldaten gelingt eine erfolgreiche Rehabilitierung. Sie laufen wieder von ihren Familien weg oder aber sie haben nach Ende des Krieges an keinem der Programme zur Wiedereingliederung teilgenommen. Manchmal gibt es auch keine offiziellen Programme, wie etwa in Myanmar, wo sich die Regierung weigert, die Existenz von Kindersoldaten anzuerkennen. Dann landen sie oftmals als Straßenkinder in den Gassen der großen Städte. Auch hier sind die Salesianer Don Boscos vor Ort. Immer wieder begegnen ihnen in den Straßenkinderprojekten ehemalige Kindersoldaten.

 

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