Weltbericht „Bildung für alle“ 2011: Kurzfassung
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Im April 2000 hat die internationale Gemeinschaft auf dem Weltbildungsforum in Dakar, Senegal den Aktionsplan „Bildung für alle“ mit sechs Zielen verabschiedet, die bis 2015 erreicht werden sollen. Die Ziele nach „universeller Grundbildung“ und „Geschlechterparität und Gleichberechtigung“ sind auch in den Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu finden. In dem von der UNESCO herausgegebenen Weltbericht „Bildung für alle“ 2011, wird in Bezug auf die sechs Zielvereinbarungen aus Dakar Bilanz gezogen. Trotz einiger Fortschritte ist das Ergebnis insgesamt ernüchternd.
Das erste Ziel des Aktionsplans ist die Weiterentwicklung der „frühkindlichen Bildung und Erziehung“. Positiv ist diesbezüglich zunächst der Rückgang der Kindersterblichkeitsrate zu vermerken. Dennoch wird das Millenniums-Ziel einer Zweidrittel-Reduktion bis 2015 voraussichtlich nur von 19 der 68 Länder mit hohen Sterblichkeitsraten erreicht. Die Ursache dafür liegt unter anderem in der Unterschätzung des Zusammenhangs von Mangelernährung und Bildungschancen auf Seiten der Regierungen. Mangelhaft ernährte Kinder können ihr Potenzial nicht verwirklichen. Auch der Bildungsstand der Mütter wirkt sich auf die Bildung und Überlebenschancen von Kindern aus. Viele Mütter wissen beispielsweise nicht, dass Muttermilch das HI-Virus übertragen kann. Der Bildungsstand der Mütter muss daher ebenso wie der Aufbau von frühkindlichen Bildungsprogrammen verbessert werden.
Fortschritte machen einige Länder beim Erreichen des zweiten Ziels, der Sicherung der „uni-versellen Grundbildung“. So wurde die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen in Indien halbiert. Nichtsdestotrotz besuchen weiterhin 67 Millionen Kinder weltweit keine Schule und Trendanalysen zeigen: die Zahl steigt.
Der Ausbau der „Lernchancen für Jugendliche und Erwachsene“, die dritte Zielvereinbarung der internationalen Gemeinschaft, muss weiterhin vorangetrieben werden. Obwohl insgesamt eine Verbesserung in Bezug auf die Bildungschancen Jugendlicher erkennbar ist, besteht weiterhin ein großer Bedarf an weiterführenden Schulen. Auch hängt der Schulbesuch häufig noch zu stark von Einkommen, Nationalität und Geschlecht ab.
Als viertes Ziel hat die internationale Gemeinschaft die „Alphabetisierung Erwachsener“ aus-gegeben: Weltweit gibt es 796 Millionen erwachsene Analphabeten. Allein in Indien leben 283 Millionen. Auch wenn es positive Entwicklungen in China und Kenia gibt, liegt der Aktionsplan, die Anzahl der Analphabeten zu halbieren, in weiter Ferne.
„Gleichberechtigung und Geschlechterparität“ ist eine weitere Zielsetzung, die „Bildung für alle“ verfolgt. Frauen sind aber auch weiterhin in hohem Maße Nachteilen in Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten ausgesetzt und besuchen im Verhältnis weit seltener die Schule als Männer. Hätte die Welt Geschlechterparität im Jahr 2008 erreicht, würde es 3,6 Millionen mehr Mädchen geben, die eine Schule besuchen.
Das sechste Ziel betrifft die „Verbesserung der Bildungsqualität“, wobei die Reduzierung so-zialer Benachteiligung stark mit dem Erfolg des Bildungssystems verwoben ist. Der Aktions-plan von Dakar setzt diesbezüglich die Akzente bei besseren Arbeitsbedingungen, einem ausgewogenen Schüler- Lehrerverhältnis, besserer Schulausstattung und besser qualifizierte Lehrkräften. Auch Don Bosco Mission setzt vergleichbare Schwerpunkte und hat in Guwahati in Nord-Ost Indien ein Weiterbildungszentrum für Lehrer und Erzieher gegründet. Weltweit werden aber immer noch 1,9 Millionen neue Lehrer benötigt, um eine universelle Grund-schulbildung zu sichern.
Die Schere zwischen den Anforderungen des Aktionsplans und den realen Finanzzusagen klafft teilweise weit auseinander. Die G8 und die Europäischen Union haben für 2010 zuge-sagt, mit 50 Milliarden US-Dollar Hilfe zu leisten. Der voraussichtliche Fehlbetrag beläuft sich schätzungsweise auf 20 Milliarden Dollar. Nach fünf Jahren des Wachstums stagnierte die Entwicklungshilfe für Grundbildung im Jahr 2008 bei 4,7 Milliarden Dollar. Dies resultiert si-cherlich aus der Finanzkrise, die die ärmsten Länder wiederum gleich doppelt getroffen hat: Es blieben nicht nur zugesagte Gelder aus, sondern auch die Lebensmittelpreise erhöhten sich und das ökonomische Wachstum verlangsamte sich. Außerdem bekamen arme Länder auf den internationalen Finanzmärkten kaum noch Kredite. 64 Millionen Menschen fielen nach der Finanzkrise in extreme Armut.
Um die Finanzlücke zu schließen empfiehlt der Weltbericht „Bildung für alle“ die finanziellen Erfordernisse neu zu bewerten und die Budgetanpassungen kritisch zu überprüfen: Grund-bildung müsse eine höhere Priorität eingeräumt werden, eine neue globale Finanzinitiative solle gestartet und innovative Finanzierungen mobilisiert werden.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt des diesjährigen Berichts stellt das Thema „Die unbeachtete Krise - Bewaffneter Konflikt und Bildung“ dar. Bewaffnete Konflikte haben weitreichende entwicklungspolitische Konsequenzen, indem sie Armut verstärken, ökonomisches Wachs-tum hindern und damit auch Bildung negativ beeinflussen. In Staaten, die Konfliktsituationen ausgesetzt sind, besuchen 28 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule, die Kinder-sterblichkeit ist höher und es gibt mehr Analphabeten. In 24 Ländern werden Kindersoldaten eingesetzt und Bildungseinrichtungen als legitime Militärziele eingestuft. Der Aktionsplan „Bildung für alle“ betrachtet Konflikte als ein Haupthindernis zur Erreichung der sechs Ziele. Die Investitionen in Konfliktländern gehen in die falsche Richtung, hin zum Militär, weg von den Klassenzimmern. Aber gerade Bildung kann bewaffneten Konflikten entgegenwirken, indem Toleranz und Respekt gelehrt und so Identitäts-, Glaubens- und ethnischen Streitig-keiten vorgebeugt wird: Bildung als Zünglein an der Waage zwischen Konflikt und Frieden.
Eine entscheidende Rolle für den Haushalt in Staaten in Konfliktsituationen spielt die Ent-wicklungshilfe. Diese hat zwar zugenommen, aber insgesamt 38% der weltweiten Gelder 2007/08 sind in nur zwei Länder geflossen - Irak und Afghanistan. Nur 2% der gesamten Entwicklungshilfe wurden 2009 in Bildung investiert.
Bildung muss innerhalb der Entwicklungshilfe eine höhere Priorität beigemessen werden, da sie einen entscheidenden Teil zur Friedenssicherung beitragen kann. Der „Weltbericht - Bil-dung für alle“ fordert, dass Bildung eine bedeutendere Rolle im Rahmen von Post-Konflikt-Szenarien eingeräumt wird. Wichtige Maßnahmen diesbezüglich sind die Bildung besser zugänglich und finanzierbar, die Unterstützung nachhaltig und prognostizierbar zu machen, Grundlagen für den langfristigen Wiederaufbau zu schaffen, Lehrpläne zu reformieren und die Rolle von UNESCO und UNICEF bei Friedensinitiativen zu stärken.
Klassenräume müssen in diesem Sinne auch ein Ort der sozialen Bildung sein an dem Kinder lernen, anderen zu begegnen, Dinge zu teilen und andere Kinder in ihren Unterschieden zu respektieren, meint auch Pater Tihomir, der im Don Bosco Zentrum in Zepce in Bosnien Herzegowina 250 Schüler/innen betreut. Frieden beginnt im Klassenraum.
(zusammengefasst von Robin Walter)
Weitere Informationen zum Don Bosco Projekt in Zepce in Bosnien Herzegowina finden Sie hier.
Ein Artikel zum Thema "Lehrermangel in Indien" finden Sie hier.
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“I hope that political leaders in all countries will heed the message of UNESCO’s EFA Global Monitoring Report and remember that education should never be used to poison young minds with prejudice, intolerance and disrespect. Schools can be a powerful force for peace.”
Shirin Ebadi (Friedensnobelpreisträgerin, 2003)
Hier finden Sie den gesamten Weltbericht "Bildung für alle"
Hier finden Sie die Kurzfassung des Weltberichts (24 Seiten).