Jugendliche zwischen Guerilla und Gewalt
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Als 12jähriger verpasste Miguel keine Folge der Seifenoper „hombres de honor“ im kolumbianischen Fernsehen. Die schwülstige Serie porträtiert heldenhafte Soldaten bei ihrem Kampf gegen die Guerilla. In seinen Teenagerträumen sah sich Miguel im Kampfanzug durch das Unterholz robben, sein Gewehr durchladen und unter „Viva Colombia“ Rufen, Ruhm und Ehre einheimsen. Mit nur 14 Jahren trat er der AUC bei, einer Paramilitärvereinigung. Längst schon hatte diese seine Heimatstadt Segovia unter ihrer Kontrolle. Zwei Jahre zog der schmächtige Teenager mit anderen Rekruten durch den Busch und kämpfte gegen Guerillatruppen.
40 Jahre „schmutziger Krieg“
Die Militarisierung des Landes hat eine lange Tradition. Obwohl der Beginn der „Violencia“ offiziell auf das Gründungsjahr der FARC, einer linksgerichteten Guerillagruppe, 1964 zurückgeht, wird Kolumbien schon seit seiner Unabhängigkeit von gewaltsamen Konflikten erschüttert. Seit 1983 haben diese durch den Kokainboom in den USA und Europa eine neue Qualität bekommen. Drei Viertel des weltweit gehandelten Kokains wird in den fruchtbaren Bergregionen des Landes angebaut. Dort wo die Droge wächst, ist der Staat nicht präsent. Sowohl die Guerilla als auch die Paramilitärverbände finanzieren ihren schmutzigen Krieg mit den Erträgen aus dem Rauschgifthandel. Beiden Gruppen werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen und Massaker angelastet. So ist das südamerikanische Land heute dreigeteilt. Militär, Guerilla und Paramilitärs ringen um die Vorherrschaft in den jeweiligen Zonen.
Verlorene Kindheit
Medellin, die zweitgrößte Stadt des Landes, steht wie keine andere für diesen Teufelskreis aus Drogen und Gewalt. Man muss hier nur das Fenster öffnen um den Krieg zu sehen. Jeden Monat kommen hier bis zu 300 Menschen gewaltsam ums Leben. Entführungen sind an der Tagesordnung und zu einer richtigen Industrie geworden. Dies alles hat ein Klima der Angst geschaffen. Wer es sich leisten kann schickt seine Kinder ins Ausland zur Schule und versucht sich mit gepanzerten Fahrzeugen und Leibwächtern zu schützen. Die, die bleiben, sind dem täglichen Terror ausgesetzt. 25 Millionen Binnenflüchtlinge zählt der Andenstaat, 1,5 Millionen davon sind Kinder. Die Verödung ganzer Landstriche hat die Vororte der großen Städte anschwellen lassen. In den sogenannten „Barrios“ geht die Gewalt mit Armut einher. Besonders die Kinder leiden sowohl unter struktureller wie familiärer Gewalt. 81 Prozent von ihnen wachsen ohne Vater auf. Die alleinerziehenden Mütter sind oftmals völlig überfordert, Erwerbsarbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen. Kindesmissbrauch, Alkohol und Drogensucht greifen um sich. Viele Kinder und Jugendliche entfliehen dieser Stresssituation und machen die Strasse zu ihrer Heimat. Tausende sogenannte „Gamines“ leben in Medellin auf der Strasse. Sie betteln und stehlen, schlagen sich mit dem Verkauf von Süßigkeiten durch und sind ständig auf der Flucht vor der Polizei.
Zuhause in der Ciudad Don Bosco
Pater Alvarez trifft man häufiger unter einer der Brücken über den Rio Medellin. Er spricht die hier siedelnden Straßenkinder an. „Aufsuchende Sozialarbeit“ nennt man im Fachjargon diese Art der Fürsorge. Der Salesianer erzählt den Jugendlichen vom Patio, einem Treffpunkt und Rückzugsort für Kinder, die sonst keiner haben will. Der Patio ist die erste Station einer schrittweisen Reintegration ins normale Leben. Wer hierhin kommt, sich an die Regeln hält und den Entschluss fasst, das Leben auf der Strasse hinter sich zu lassen, hat eine gute Chance dem tödlichen Kreislauf zu entfliehen. Danach folgt der Aufenthalt in der Ciudad Don Bosco. Das weitläufige Zentrum in Aures, einem Viertel an den Berghängen der Stadt, ist das Zuhause von 700 Mädchen und Jungen. Sie haben die erste Phase der Rehabilitierung hinter sich und nehmen ihr Leben in die eigene Hand. Das ist typisch für die pragmatische Arbeitsweise der Salesianer. In der Ciudad Don Bosco lernen sie, sich an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen. Sie gehen wieder zur Schule. Später haben die Jugendlichen die Möglichkeit, eine Ausbildung in einem der zahlreichen Lehrbetriebe zu absolvieren (z.B. Schreiner, Bäcker, Schlosser). Es gibt auch einen Bauernhof, an dem eine landwirtschaftliche Ausbildung angeboten wird, sowie eine Gesundheitsstation und eine Zahnarztpraxis. Psychologen und Sozialarbeiter begleiten die Betreuung und Erziehung. Ein ausgeklügeltes Punktsystem belohnt diejenigen, die Verantwortung und Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen.
Perspektiven für Jugendliche
Nicht nur Straßenkinder werden hier betreut sondern auch Kinderarbeiter und ehemalige Kindersoldaten. So auch der 17jährige Miguel, der heute eine Mechanikerausbildung macht. Aus dem wilden Kämpfer ist ein nachdenklicher junger Mann geworden. „Ich war ein kleiner Junge, der den Ernst des Krieges und des Tötens nicht begriffen hat.“ Mit Hilfe des Rehabilitierungsprogramms der Salesianer ist Miguel der Ausstieg aus dem Kriegsgeschäft gelungen. Die Gespräche mit den Patres und Sozialarbeitern haben ihm geholfen, seine Zeit im Dschungel seelisch zu verarbeiten. Heute blickt er nach vorne und stürzt sich mit Feuereifer in die Ausbildung. Nicht alle haben dieses Glück. Immer noch treiben fehlende Zukunftschancen und Hoffnungslosigkeit viele junge Burschen in die Arme der Rebellengruppen. Die zahlen gut und pünktlich. Nur wenn den Jugendlichen eine Alternative zu einem Leben als Söldner oder Obdachlosen geboten wird, lässt sich das Problem in den Griff kriegen. Don Bosco Mission unterstützt den ganzheitlichen Ansatz der Ciudad Don Bosco seit vielen Jahren. Mit Ihren Spenden sorgen wir dafür, dass das Leben junger Menschen gelingt!
Vielen Dank für ihre Unterstützung!
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Die Patres der Ciudad Don Bosco in der kolumbianischen Metropole Medellin kümmern sich seit über 40 Jahren um Straßenkinder, Kinderarbeiter und ehemalige Kindersoldaten. 700 Jungen und Mädchen werden hier betreut und ausgebildet.
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Kinder in Kohlebergwerken
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Als weltweit viertgrößter Steinkohleproduzent zählt Kolumbien viele Bergwerke. Die Arbeitsbedingungen dort sind hart und vielfach unmenschlich. Um Geld für den Ausbau mannshoher Stollen zu sparen, werden oftmals Kinder für die schwere und gefährliche Schürfarbeit eingesetzt. Mit psychologischer und orthopädischer Hilfe fördern die Salesianer in Amaga, unweit der Ciudad Don Bosco, diese Kinder. In Brückenkursen holen sie die versäumte Schulbildung nach. Ärzte päppeln die mangelernährten Kinder wieder auf und versuchen Folgeschäden der schweren körperlichen Ausbeutung zu korrigieren.
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