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Mädchenförderung am Ausbildungszentrum Kamuli



Auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Auch wenn sich in den letzten Jahren die Rolle der Frau in Uganda leicht positiv entwickelt hat, herrschen besonders in den ländlichen Regionen weiterhin traditionelle Geschlechterrollen vor. Oftmals ist Mädchen der Weg zu Bildung und Beruf versperrt. In der strukturschwachen Region um die Kleinstadt Kamuli ist dieses Problem alltäglich. Deshalb gibt das Berufsbildungszentrum St. Joseph Vocational Training Center jungen Frauen und Mädchen die Chance mit einem Stipendiums ihren Weg ins Berufsleben und die Eigenständigkeit fortzusetzen und somit sich und ihre Familien finanziell absichern zu können.

Kamuli liegt im Osten Ugandas, 150 km östlich der Hauptstadt Kampala. Fahrzeuge sieht man hier kaum. Die Straßen sind dafür schlichtweg zu schlecht ausgebaut. Der Großteil der 40.000 Einwohner geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad. Elektrizität, sauberes Trinkwasser, Abwasser- und Müllentsorgung gibt es nur bedingt. Zudem erschweren Dürreperioden, die in Ostafrika häufig auftreten, das Leben der Menschen. Die meisten Bewohner ernähren sich und ihre Familie mit den Erträgen eines kleinen Stück Lands und mit der Haltung von ein paar Nutztieren. In der heißen und trockenen Region reicht dies aber oft nicht aus um die ganze Familie zu ernähren. So bleibt auch nur selten Geld, um die Kinder zur Schule zu schicken. Sollte ein wenig Geld für die geringen Schulgebühren übrig sein, sind es zu meist die Sohne, die das Privileg einer Ausbildung genießen dürfen. Wundert es da, dass besonders in den weiterführenden Schulen die Zahl der Schulabbrecher bei Mädchen sehr viel höher ist als bei Jungen? In der Schule werden Mädchen häufig diskriminiert. Viele Lehrer  bevorzugen Jungen und machen es den Schülerinnen  schwer sich im Schulalltag zu behaupten und einen Schulabschluss zu erlangen.

Hausfrau, Kindermädchen, Heirat

Häufig werden die Mädchen zu Hause, bei den Familien gebraucht, denn das Geld ist knapp und es gibt viel zu tun. In die traditionelle Rolle der Frau gedrängt, müssen die Töchter im Haushalt helfen oder auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen. Wenn sie der Familie finanziell zu sehr zur Last fallen, werden die jungen Frauen schon früh verheiratet. Auch als Ehefrau winkt ein Leben bestimmt von Hausarbeit und Erziehung. Im Gegensatz zu den Jungen haben sie keine Chance, sich die Schulausbildung selber zu finanzieren. Während sich die Jungen mit Gelegenheitsjobs ihr Schulgeld oder sogar ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können, bleibt den Mädchen nur die traditionelle Rolle der Hausfrau und Mutter anzunehmen.
Auch im Berufsbildungszentrum St. Joseph Vocational Training Center sind trotz gezielter Förderung derzeit nur 30% der über 300 Auszubildenden weiblich. Die zu zahlenden Schulgebühren sind sehr gering und haben eher symbolischen Wert. Dennoch können viele junge Menschen dies nicht aufbringen und sind auf ein Vollstipendium angewiesen.
Das Zentrum bietet speziell für Mädchen Vollstipendien an, mit denen sie ihre Ausbildung abschließen können. Derzeit werden 50 Mädchen gefördert, die Zahl soll in den nächsten Jahren weiter wachsen. Neben den Schulgebühren stellt ihnen die Schule Verpflegung, einen Wohnheimplatz und die Materialien bereit.
Das Institut bietet sowohl Mädchen wie auch Jungen mit einem ersten Schulabschluss die Möglichkeit einen handwerklichen Beruf zu erlernen und damit in der Folge eine der technischen Hochschulen des Landes besuchen zu können. Aber auch Jungendliche ohne Schulabschluss können ein  Diplom in einem Handwerk ihrer Wahl erwerben. Solch ein Diplom des Ausbildungszentrums ist der Schlüssel zu einer sicheren beruflichen Zukunft.

 

Förderung der Persönlichkeitsentfaltung

Besonders in der Ausbildung der Mädchen wird neben der Vermittlung fachlicher Fähigkeiten sehr großer Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung gelegt. „Die Mädchen lernen vor allem zielstrebig zu sein und sich in der Gesellschaft durchzusetzen. Außerschulische Aktivitäten, wie z.B. Sportwettkämpfe, dienen der Stärkung des Selbstbewusstseins, dem Umgang mit Konkurrenzsituationen und schulen den Teamgeist“, erklärt Schulleiter Br. John Njuguna das Konzept.
Neben den ausgewählten Fachkursen besuchen alle Mädchen auch einen Computerkurs. Der Umgang mit dem Computer und dem Internet verbessert nicht nur ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern hilft den Schülerinnen darüberhinaus ihren Horizont zu erweitern und globale Zusammenhänge besser zu verstehen.
Eine von ihnen ist die 21-jährige Nafaika. Als Erstgeborene von sechs Kindern hatte sie die Chance eine Schulausbildung zu beginnen. Als ihr Vater starb wurde es jedoch immer schwieriger für die Familie den Alltag zu meistern und die Schulgebühren aufzubringen. Nafaika musste zu Hause bleiben, der Mutter im Haushalt helfen, und sich um ihre kleinen Geschwister kümmern. Ihre  Geschichte erzählte sie Br. Njuguna, der sich dazu entschied, ihr mit einem Stipendium die Möglichkeit zu geben am Zentrum zu lernen. Sie meisterte die Ausbildung mit Bravour. Das Zentrum möchte Nafaika als Schneiderin behalten. So kann sie ihre Fähigkeiten weiter ausbauen und gleichzeitig schon Geld verdienen, um ihre Familie zu unterstützen. „Sie ist ein Mädchen voller Freude und Optimismus“, berichtet Br. Njuguna begeistert.

Zukunftsperspektive für Jugendliche

Das Berufsbildungszentrum St. Joseph Vocational Training Center in Kamuli wurde 1994 von den Salesianern übernommen und ausgebaut. Es ist das einzige Berufsbildungszentrum in Kamuli und Umgebung. Zum Zentrum gehören neben den Werkstätten, Wohnheime für 75-90 Auszubildende, ein Gebäude mit 12 Klassenräumen, eine Versammlungshalle sowie drei Wohnhäuser für Mitarbeiter und einige Büros. Eine kleine Schulfarm auf dem Gelände trägt zur Eigenversorgung mit Lebensmitteln bei.
Das Ausbildungsangebot reicht von Schreinerei und Maurerhandwerk über Elektrik, Installation und Metallverarbeitung bis hin zu Schneiderei und Büroausbildung. Eben diese Berufe werden auf dem lokalen Arbeitsmarkt stark nachgefragt. Auch wenn durch ein großes Angebot von Dienstleistungen wie der Vermietung der Hallen und von Mobiliar, Auftritten der eigenen Blasmusikkapelle oder Transportdiensten Geld erwirtschaftet werden kann, reicht dies noch lange nicht aus um das Zentrum und insbesondere die Stipendien zu finanzieren.

 




© Bernd Weisbrod


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Kostenbeispiele

  • 9€ kostet das Arbeitsmaterial einer Auszubildenden pro Monat
  • 12€ kostet der Schulbesuch eines Mädchens pro Monat
  • 450€ decken ein Jahresvollstipendium für eine Auszubildende



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© Bernd Weisbrod


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