Salesianer befürworten Kongo-Einsatz
Vor den für Juli geplanten Wahlen erschüttern erneut politische Unruhen die Demokratische Republik Kongo. In Bukavu im Osten des Landes tötete die kongolesische Armee kürzlich elf Menschen, die mit einem Generalstreik friedlich gegen die Gewalttaten der Regierungsarmee demonstriert und eine Bestrafung der Schuldigen gefordert hatten. Kein Einzelfall: Seit Monaten kommt es immer wieder zu Übergriffen des Militärs auf Zivilisten in dem zentralafrikanischen Land. „Unser größtes Problem ist die katastrophale Sicherheitslage,“ beschreibt ein Pater vom katholischen Orden der Salesianer Don Boscos die derzeitige Lage im Kongo. Der Orden betreibt in Lubumbashi im südlichen Kongo Auffangheime und Berufsbildungszentren für Straßenkinder und Kindersoldaten. Die Zivilbevölkerung sei traumatisiert, so der Priester, der seit 40 Jahren im Kongo arbeitet. „Viele Menschen haben im Bürgerkrieg alles verloren. Tausende von Kriegswaisen und Kindersoldaten irren ziellos umher und werden Opfer der Terror-Truppen.“ Denn die rekrutieren gewaltsam Nachwuchs für ihre Raubzüge. Bei den militärischen Gruppen handelt es sich um Teile der Regierungsarmee FARDC, die von Übergangspräsident Joseph Kabila unterstützt werden. Zudem treiben bewaffnete Banden, Söldner und Deserteure aus den Nachbarländern Ruanda und Uganda ihr Unwesen. Die Ruandesen sind mehrheitlich Hutu-Rebellen, die in den Genozid gegen die Tutsi in ihrem Heimatland verwickelt waren. Einige politische Parteien, die jetzt zur Wahl antreten, hätten zudem ihre eigenen Schlägertrupps. Die Rolle der 17 000 UN-Soldaten, die seit dem Friedensabkommen von 2003 die ehemalige belgische Kolonie stabilisieren sollen, sieht der Geistliche kritisch. Die UN-Truppen hätten kein echtes Interesse daran, Gewalt und Chaos zu beenden. „Die Mehrheit der Kongolesen glaubt, dass die Regierungen der Länder, aus denen die UN-Truppen stammen, ungestört die Bodenschätze des Landes wie Erdöl, Gold, Diamanten und Uran ausbeuten wollen. Und das klappt besser, wenn es keine funktionierende Regierung gibt.“
Die Bevölkerung setze deshalb große Hoffnung auf den Einsatz von EU-Truppen unter deutscher Führung, betonte der Salesianerpater. „Im Gegensatz zu Belgiern und Franzosen haben die Deutschen im Kongo keine koloniale Vergangenheit.“ Darüber hinaus stehe die Bundesregierung nicht in Verdacht, die Ressourcen des Landes auszubeuten oder korrupte einheimische Politiker zu unterstützen. „Wir brauchen eine Eingreiftruppe, die keine ökonomischen und politischen Interessen im Kongo hat.“
Wichtig sei, dass die EU eine möglichst große Anzahl von Soldaten in den Kongo schickt, die nach den Wahlen mindestens ein Jahr im Land bleiben und mit den lokalen Autoritäten zusammen arbeiten. Darüber hinaus sollten die Europäer Druck auf die Präsidenten Ruandas und Ugandas machen, ihre Truppen aus dem Kongo zurück zu ziehen. Zudem sei es nötig, die EU-Schutztruppe auch entlang der Grenze zu Ruanda und Uganda einzusetzen, um das Eindringen neuer Söldnertruppen zu verhindern. Bisher seien Kagame und Museveni bei der Destabilisierung des Kongo von den USA unterstützt worden, die so ihren Einfluss in Zentralafrika sichern wollten. Deshalb herrsche hier großes Misstrauen gegenüber den Amerikanern. Nach langen Jahren des Krieges und der Unruhen sehnten sich die Menschen im Kongo nach Frieden, betont der Priester. „Sie wollen einen Präsidenten, der seine Befehlsgewalt im ganzen Land durchsetzen kann. Und der dafür sorgt, dass die Einnahmen aus dem Erdöl, Gold- und Diamantengeschäft für den Wiederaufbau des Landes eingesetzt werden. Damit der Reichtum des Landes endlich der Bevölkerung zugute kommt.“
Hilfsprojekte der Salesianer im Kongo