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Die Pädagogik Don Boscos

Im 19. Jahrhundert herrscht in Schule und Familie strengster Drill. Wenn Kinder oder Jugendliche nicht gehorchen, werden sie mit Prügel bestraft. Eltern und Lehrer erwarten den absoluten Gehorsam von ihren Zöglingen. Verstöße gegen Regeln werden nicht akzeptiert. Die Vorstellungen Don Boscos von Erziehung widersprechen ausdrücklich diesem Zeitgeist. Der junge Priester setzt auf eine präventive statt repressive Erziehung.

Salesianer Don Boscos mit Schüler in Quetta Pakistan
©Florian Kopp

Mix aus Tradition und Moderne

Don Boscos Erziehungsideale sind ein Mix aus Tradition und Moderne. Er unterstützt das Ziel, aus Jugendlichen "rechtschaffene Bürger und gute Christen" zu machen. Dabei setzt er aber auf einen anderen Stil. Denn ihn beeinflussen auch Ideen der Aufklärung und der französischen Revolution, die unter Italiens Denkern für frischen Wind sorgten. Ein Vorbild ist zum Beispiel Ferrante Aporti (1791-1858). Er vertritt die These, dass Kinder nur gut erzogen werden können, wenn der Erzieher sie gern hat und ernst nimmt. "Man liebt den, der einen selbst mit Liebenswürdigkeit und nicht mit Geringschätzung behandelt." Aporti setzt sich zudem dafür ein, Unterricht mit Beispielen und Geschichten für Kinder lebendiger zu machen. Ein weiteres Vorbild ist Alessandro Teppa (1867-1871) vom katholischen Orden der Barnabiten und Professor für Mathematik und Philosophie in Bologna. Das Gute im Kind fördern und das Schlechte verhüten macht mehr Sinn, als Kinder nur im Nachhinein zu bestrafen, so sein Grundsatz.

Pädagogik der Fürsorge
©Tobias-Andrea Jäckering

Der Priester als fürsorgliche Vaterfigur

Auch der engagierte Adolph Kolping (1813-1865) ist ein Zeitgenosse Don Boscos. In seinem „Gesellenverein für Handwerkslehrlinge“ setzt sich der Kölner Sozialtheologe für eine familiäre Beziehung zwischen dem Erzieher und seinen Schützlingen ein – der Priester wird zur fürsorglichen Vaterfigur. Darüber hinaus beschäftigt Don Bosco sich mit frühen christlichen Pädagogen wie Philipp Neri (1515-1595). Aus seinen Schriften lernt er unter anderem, wie man Religionsunterricht durch Anekdoten und Theaterstücke auflockert, die Zuneigung der Jugendlichen gewinnt. Wichtigstes Vorbild Don Boscos ist Franz von Sales (1567-1622). „Alles aus Liebe, nichts aus Zwang“ – diese Idee des Genfer Bischofs wird der Leitspruch des jungen Johannes Bosco. Auf Menschen zugehen und sich nicht abschotten, Religionsunterricht lebensnah gestalten statt abstrakte Werte zu predigen. Seine Lehren in einfache Worte fassen, die jeder versteht. Von solchen Ansätzen ist Johannes Bosco so sehr beeindruckt, dass er seinen Orden „Salesianer Don Boscos“ nennt. 

 

Theorie ist gut, Praxis ist besser 

 

Typisch für Don Bosco: Trotz theoretischer Einflüsse verlässt er sich am liebsten auf seine eigenen Erfahrungen. „Der Salesianer kündet die Frohe Botschaft wirksamer durch das, was er tut, denn durch das, was er sagt.“ Zum Beispiel mit Jugendlichen im Gefängnis und in der Besserungsanstalt „Generala“ in Turin (1844-1855), die er auf Anregung seines Mentors Don Calfasso besucht. Er unterrichtet die jungen Kriminellen im Katechismus und hält Predigten. Und er merkt: Wenn er ihnen Geduld, Liebe und Aufmerksamkeit entgegen bringt, kommt das an. Wenn einer kein Interesse an Religion hat, bedrängt er ihn nicht – die Neugierde kommt von selbst. Auch die Idee des „Oratoriums“, das heißt Freizeit, Kirche und Unterricht miteinander zu verbinden, kommt gut bei den Jugendlichen an. Zwar gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert solche Überlegungen unter den katholischen Reformern, aber bei der Umsetzung greift Don Bosco auf seine Erfahrungen beim freien Predigen zurück. Ein Mann der Tat – das merkt man daran, dass Don Bosco die wichtigsten Elemente seiner „Pädagogik der Vorsorge“ erst dann aufschreibt, als Papst Pius IX. ihn ausdrücklich darum bittet.

 

Pädagogisches Praktikum für Ordensleute

 

Eine Forderung, die ihm besonders wichtig ist: Ein pädagogisches Praktikum für seine Ordensleute, nicht nur eine geistliche Ausbildung. Damals lehnt der Papst ab – aber 13 Jahre nach seinem Tod führen die Salesianer für alle Mitarbeiter in leitender Funktion eine dreijährige praktische Tätigkeit ein. Heute haben fast alle Ordensangehörigen in leitender Funktion ein sozialpädagogisches Studium absolviert. Dazu gehört eine zweijährige praktische Tätigkeit, zum Beispiel in einem Jugendzentrum oder anderen Einrichtungen der Jugendhilfe.

 

Pädagogische Leitlinien 

 

An diesen Merkmalen ist jede salesianische Einrichtung in Deutschland und der ganzen Welt zu erkennen. Bis heute haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren. Jugendliche zu erziehen, ohne sie zu erniedrigen oder zu misshandeln, ihnen Regeln und Moral mit auf den Weg zu geben - das passt in die aktuelle Wertediskussion. Das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und Bildung findet sich in der UN-Kinderrechtskonvention wieder. Denn wie Don Bosco hat man überall erkannt: Mit Vertrauen, Förderung und einem Job, der sie ernährt, haben Jugendliche eine Zukunft.

 

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