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Madagaskar: Mit Bildung aus der Armut

"Das wichtigste ist, Vertrauen aufzubauen"

 

Pater Giuseppe Miele SDB - von allen nur Don Bepi genannt - setzt sich seit 36 Jahren in Madagaskar für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein.  Der 68-jährige und  Bischof Rosario Vella waren die ersten Salesianer vor Ort. Bei seinem Besuch in Bonn erzählt Don Bepi, warum Bildung bei der Überwindung von Armut so wichtig ist.

 

Hat sich Madagaskar in den letzten 36 Jahren sehr verändert?

Sicher gibt es politische und zivilgesellschaftliche Fortschritte. Eine besonders  positive Entwicklung  ist, dass Eltern immer mehr die Bedeutung von Bildung verstehen.

 

Sie bringen teilweise große Opfer, um die Schulgebühren ihrer Kinder zu bezahlen. Es ist ihnen wichtig, dass ihre Kinder später bessere Zukunftsaussichten haben. Das war früher nicht so!

Pater Giuseppe Miele besuchte die Don Bosco Mission Bonn. ©Don Bosco Mission Bonn

Korruption ist in Madagaskar weit verbreitet

Als negative Entwicklung empfinde ich, dass die Menschen als erstes nach sich selbst schauen. Jeder ist doch sehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Zudem hält man immer noch sehr an politischen Autoritäten fest.  Korruption ist immer  noch weit verbreitet - auch in der Politik. In den 36 Jahren habe ich nicht eine Regierung erlebt, für die das Wohl der Menschen wirklich  im Vordergrund stand.

Was sind die größten Herausforderungen in der Zukunft?

Unsere Einrichtung  befindet sich in der Peripherie von  Fianarantsoa. Rund 17.000 Familien leben dort praktisch von der Hand in den Mund. Die meisten haltensich mit dem Verkauf von Gemüse über Wasser. Die Menschen sind aus ihren Dörfern geflüchtet, weil sie gehofft haben, in der Stadt Arbeit zu finden. Sie haben sich ein besseres Leben gewünscht. Aber die Realität sieht anders aus. Die Familien stehen vor dem Nichts.

 

Rund 300 bis 400 Kinder leben auf der Straße. Oft sind sie erst sieben Jahre alt. Um zu überleben, schließen sie sich anderen Straßenkindern an. Die meisten Kinder wurden von zu Hause ausgestoßen. Ihre Eltern interessieren sich nicht mehr für sie. Ihnen ist egal, wo und wie ihre Kinder jetzt leben. Oft ist es auch Gewalt in der Familie, die die Jungen und Mädchen auf die Straße treibt. Wir unterstützen auch Teenagermütter. Ihre Babys werden medzinisch betreut und die jungen Frauen können eine Ausbildung zum Beispiel zur Näherin machen.

Viele Menschen in Madagaskar leben auf der Straße. ©Don Bosco Mission Bonn/ Florian Kopp

Auf Straßenkinder darf man niemals Druck ausüben

Mit 30 Straßenkindern haben wir ganz guten Kontakt.  Sehr wichtig ist es, sie niemals  unter Druck zu setzen.Wenn man Ihnen Vorschriften macht,  sind sie sofort wieder weg. Wir bieten ihnen einfach an, dass sie bei uns etwas essen oder auch ihre Kleidung waschen können. Es gibt auch Schlafstellen zum Übernachten. Alles ist aber immer auf freiwilliger Basis. Das ist auch die Grundlage der Don Bosco Pädagogik.  Wenn die Jugendlichen Interesse haben, bringen wir ihnen auch Lesen und Schreiben bei.  Später können sie dann auch an regulärem Schulunterricht teilnehmen.

Gibt es denn auch Erfolgsgeschichten?

Pater Jannot kam letztens freudestrahlend mit einem Jugendlichen in unsere Einrichtung. Der Jugendliche war ein ehemaliges Straßenkind.  Er hatte bei uns gelernt und durch unsere Vermittlung später ein Praktikum als Schweißer in einem großen Unternehmen machen können. Jetzt hatte er seinen Abschluss gemacht. Die Firma hat ihm sofort einen festen Arbeitsplatz angeboten. Das hat uns alle sehr glücklich gemacht!

 

Einen ehemaligen Straßenjungen haben wir zum Maurer ausgebildet. Wir konnten ihn an eine Kooperative von zehn Maurern vermitteln.Dort wurde er sofort aufgenommen und kann jetzt mitarbeiten. Das sind Erfolgsgeschichten, die uns zeigen, dass unser Einsatz sich lohnt!

 

 

Pater Jannot mit Straßenkindern in Fianarantsoa. ©Don Bosco Mission Bonn/ Florian Kopp