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Zentralafrikanische Republik: "Die Menschen sehnen sich nach Frieden"

04.01.2018 - In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) tobt auch weiterhin ein blutiger Bürgerkrieg. Außerhalb der Hauptstadt Bangui bleibt die Sicherheitslage besonders prekär. Bewaffnete Gruppen terrorisieren die Bevölkerung im Kampf um die Bodenschätze. Viele Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt.

 

Die Arbeit der Salesianer in der Zentralafrikanischen Republik

 

In Bangui gibt es zwei Einrichtungen der Salesianer Don Boscos. Pater Désiré Adjeckam SDB leitet seit zwei Jahren das Don Bosco Zentrum im Stadtteil Damala. Pater Luk Delft SDB, Koordinator der Caritas für die ZAR, wohnt ebenfalls in der Kommunität Damala und arbeitet eng mit Don Bosco zusammen.

 

 

Pater Delft und Pater Adjeckam zu Besuch bei Don Bosco Mission Bonn. ©Don Bosco Mission Bonn

Wie ist die aktuelle politische Situation in der Zentralafrikanischen Republik?

Pater Luk Delft: Der Papstbesuch in Bangui im November 2015 war sehr wichtig für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik. Er hat ihnen gezeigt, dass sie nicht völlig vergessen sind. Der Papst hat Hoffnung verbreitet - sowohl bei Christen als auch Muslimen. Hoffnung auf einen baldigen Frieden haben auch die demokratischen Wahlen gemacht. Das Problem ist nur, dass der neue Präsident nur 20 Prozent des Landes kontrolliert. In den anderen Gebieten haben bewaffnete Gruppen das Sagen, die sich blutig bekämpfen.

 

Hilfe für Kindersoldaten

 

Pater Désiré Adjeckam: In unserer Einrichtung in Damala betreuen wir Kinder und Jugendliche, die in bewaffneten Gruppen gekämpft haben. Die Jugendlichen wurden zu Kämpfern ausgebildet und haben Schreckliches erlebt. Alle sind traumatisiert und brauchen psychosoziale Hilfe. 700 ehemalige jugendliche Kämpfer werden zurzeit von uns betreut. Sie werden zudem in technischen Berufen ausgebildet.

Wie kann man den jungen Leuten am besten helfen?

Pater Désiré: Das Wichtigste ist Bildung und Erziehung. Fast drei Generationen sind ohne Bildung aufgewachsen.

Die meisten Jungen und Mädchen haben nie eine Schule besucht.

 

Durch Bildung zum Frieden

 

Dabei ist Bildung das einzige Mittel, um den Konflikt zu beenden. Junge Leute, die Zugang zu Bildung haben, werden keine Kämpfer mehr. Sie erkennen, dass Gewalt keine Lösung ist und wünschen sich eine friedvolle Zukunft.

Eine Auszubildende im Don Bosco Berufsausbildungszentrum in Bangui. ©Don Bosco Mission Bonn

Fühlen Sie sich von der Internationalen Gemeinschaft allein gelassen?

Pater Luk: Tatsächlich gehört der Gewaltkonflikt in der Zentralafrikanischen Republik zu den vergessenen Konflikten der Welt. Das ganze Land ist bewaffnet, es gibt keine Justiz und keine Sicherheit mehr für die Menschen. Der Konflikt scheint in aller Welt vergessen zu sein, dabei stehen wir kurz vor einem Genozid.

 

ZAR ist ein vergessener Konflikt

 

Pater Désiré: Die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik sehnen sich nach Frieden - egal, ob Christen oder Muslime. Nach den Wahlen hat die Bevölkerung auf schnellen Frieden gehofft. Doch jetzt stellen sie fest, dass die Gewalt immer mehr zunimmt. Auch die französische Armee oder die Blauhelme konnten nichts daran ändern. Die Menschen müssen erkennen, dass Frieden nicht von außen kommen kann, sondern dass sie sich an dem Prozess beteiligen müssen. Sie sind die Protagonisten und können etwas verändern!