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Kolumbien: Tore zum Glück

In Kolumbien sind Drogen und Kriminalität weit verbreitet. Viele Jugendliche sind arbeitslos und ohne Zukunftsperspektiven. Der 17jährige Andres Felipe* aus der zweitgrößten Metropole Medellín hat es geschafft, diesem Kreislauf zu entfliehen. Geholfen dabei hat ihm seine Fußballbegeisterung und das Sportprojekt "Dad Bosco". 

 

Text und Fotos: ichtv/Eduardo Leal

 

 

Kolumbiens Liebe zum Fußball

Wenn früh morgens die Sonne über Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín aufgeht, beginnt das alltägliche Chaos auf den Straßen mit lautem Hupen, rußigen Abgasen und zigtausenden Rollern und Mopeds. Gleichzeitig füllen sich die Gehwege mit wuselnden Massen, einschließlich vieler Leute in knallgelben Trikots. Selbst wenn man sich nicht für Fußball interessiert, weiß man so direkt, wenn die kolumbianische Nationalmannschaft spielt. Ganz egal ob Freundschaftsspiel oder WM-Partie - die Leute lieben ihr Nationalteam und so steht das Land immer größtenteils still, wenn die Cafeteros - so der Spitzname der Mannschaft - den Rasen betreten und das Match beginnt.

 

 

Slums als Brutstätte der Gewalt

Ich bin auf dem Weg nach Robledo Aures, einem der vielen Slums, die in den letzten Jahren an den Hängen der Stadt gewachsen sind. Slums wie dieser entstanden durch die Landflucht infolge des jahrzehntelangen Bürgerkriegs bzw. durch Menschen, die versuchen, in der großen Stadt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Egal, warum sie letztlich nach Medellín gehen, die meisten von ihnen enden in einem der Slums rund um die Stadt. In Robledo Aures treffe ich einen jungen Mann, der mithilfe des Sports, den er so liebt, eine völlig andere Zukunft anstrebt. Andres Felipe ist Siebzehn und lebt hier zusammen mit seiner Mutter, seinem Schwiegervater und einer jüngeren Schwester - nur ein paar Minuten entfernt von der Ciudad Don Bosco.

Jeden Tag steht Andres Felipe in Medellín auf dem Fupßballplatz © ichtv/EduardoLeal

 

Die Ciudad Don Bosco: Schule und Fußball

Andres versucht die Don Bosco Schule mit den Sportstunden unter einen Hut zu bringen. Im Unterricht ist er ein schüchterner Junge, der still auf seinem Platz sitzt - ganz im Gegensatz zu den vielen anderen Jungs, die herumtoben, laute Musik hören und im Unterricht schlafen. "Die Ciudad Don Bosco bedeutet mir sehr viel.Sie bieten uns dort Möglichkeiten, die wir  nirgendwo sonst bekämen. Wir können dort nicht nur lernen, sondern auch Sport treiben. Also verbringe ich natürlich so viel Zeit wie möglich hier." 

 

 

Viele Jugendliche in Kolumbien spielen Fußball auf Betonplätzen. © ichtv/EduardoLeal

Fußball als Therapie

Wie viele andere Jungs in Kolumbien ist Andres fußballverrückt. Beim Fußball wird aus dem schüchternen Jungen ein Anführer, der Gegner grätscht und seine Mannschaftskameraden kommandiert, wie ein Offizier auf dem Schlachtfeld.

 

Laut Carlos Mario Florez, dem Programmleiter in Ciudad Don Bosco, "bedarf es bei keinem anderen Spiel so viel Führungskraft, Teamwork, Strategie und Taktik; alles Dinge, die einem auch im Leben weiterhelfen." Florez hat das Programm "Dad Bosco" ins Leben gerufen, ein Fußballprojekt der Ciudad Don Bosco.

 

 

Fußballprojekt "Dad Bosco"

Das Programm "Dad Bosco" soll  junge Menschen vor den Gefahren in den Slums schützen. Durch den Mangel an Führung und Vorbildern sind sie dort häufig Gewalt, Prostitution, organisiertem Verbrechen, Drogenhandel und -missbrauch ausgesetzt. Laut einer Studie der kolumbianischen Polizei sind Gewalt und Drogenkonsum die Haupttodesursachen in der Altersgruppe der 15-19-Jährigen. Florez ist überzeugt, dass das Fußballspielen sie nicht nur beschäftigt, sondern dass es auch die Lebenswirklichkeiten der Jungs beeinflussen und verändern kann. 

 

 

Fußballprofi in Kolumbien

Am nächsten Morgen steht Andres auf dem Dach seines Hauses, mit Blick auf ganz Medellín, und balanciert einen Ball auf seinem Kopf. Man kann die unsichtbare Barriere beinahe spüren, die sein Leben im Slum von der Realität in der Stadt mit all ihren Möglichkeiten und hohen Häusern trennt. Dann fängt er an, zu erzählen: „Fußball bedeutet mir alles! Am liebsten möchte ich immer nur Fußball spielen. Es ist quasi meine Medizin! Wenn ich gestresst bin, Probleme habe oder krank bin, spiele ich Fußball und es geht mir wieder gut.“ Dann zeigt er auf eine Stelle weit hinten in der Stadt und sagt: „Eines Tages will ich da spielen.“ Gemeint ist das Atanasio Girardot Stadion, das Zuhause von Atletico Nacional, der stärksten kolumbianischen Vereinsmannschaft. Wie so viele Teenager in Kolumbien möchte Andres eines Tages Fußballprofi werden.

 

Schutz gegen Drogen und Kriminalität

 

„Andres Felipes Fall ist ungewöhnlich, er ist die Ausnahme von der Regel,“ erläutert Florez.Florez’ Vision für das Fußballprogramm „Dad Bosco“ sieht vor, so viele Andres wie nur möglich heranzubilden. Sie sollen inspiriert werden, dem Beispiel von Andres zu folgen und so von Drogen und Kriminalität ferngehalten werden. Das Ziel heißt, jede Menge Tore zum Glück zu schießen.

 

*Name geändert

Ciudad Don Bosco

 

Die Ciudad Don Bosco in der kolumbianischen Stadt Medellín ist eine Einrichtung der Salesianer Don Boscos für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Jungen und Mädchen können in der "Stadt" Don Bosco lernen, Sport treiben, an Workshops und Freizeitaktivitäten teilnehmen oder auch eine Berufsausbildung absolvieren. In der 1965 gegründeten Einrichtung werden aktuell tausende Kinder und Jugendliche betreut.Auch viele ehemalige Kindersoldaten, die wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen.

 

Das Fußballprojekt "Dad Bosco" richtet sich vor allem an Jugendliche aus Slums. Mit Bildung und regelmäßigen Fußballtrainings sollen die Jugendlichen vor Drogen und dem Abrutsch in die Kriminalität bewahrt werden.

 

 

Andres Felipe hofft mit dem Programm Dad Bosco Fußballprofi zu werden. ©ichtv/Eduardo Leal

Ein Tag im Leben von Andres Felipe

Andres Felipe aus Medellín möchte Fußballprofi werden. ©ichtv/Eduardo Leal
In der Don Bosco Schule in Medellín besucht Andres Felipe auch einen Computerkurs. ©ichtv/Eduardo Leal
Ein Spiel ist Werkzeug für den Frieden, so die Aufschrift auf einer Mauer in Medellín. ©ichtv/Eduardo Leal
Blick vom Haus von Andres Felipe auf Medellín. © ichtv/Eduardo Leal
Nach der Schule hilft Andres Felipe seinem Vater auf dem Bau. ©ichtv/Eduardo Leal
Wenn die kolumbianische Mannschaft spielt, fiebert das ganze Land mit. ©ichtv/Eduardo Leal
Andres Felipe ist gerne mit seinen Nichten und Neffen zusammen. ©ichtv/Eduardo Leal
Medellín ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Andres Felipe wohnt in einem armen Außenbezirk ©ichtv/Eduardo Leal
Jeden Tag trainiert Andres Felipe, um Fußballprofi zu werden. ©ichtv/Eduardo Leal