Straßenkind auf einem Friedhof in Liberia Straßenkind auf einem Friedhof in Liberia

Interview: Friedhofskinder in Liberia

In Monrovia leben viele Jugendliche auf dem Zentralfriedhof. Sie schlafen in Grabstätten, weil sie keine Alternative haben. Bruder Lothar Wagner SDB war bis März 2018 in Liberia. Dort lernte er den harten Alltag der Jugendlichen kennen.

"Wir müssen in die Brennpunkte gehen"

Liberia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ein jahrzehntlanger Bürgerkrieg hat das westafrikanische Land gezeichnet. Besonders die jungen Menschen leiden an den Folgen. In Monrovia schlafen Jugendliche in Grabstätten. Bruder Lothar Wagner SDB suchte die Jungen auf und "hörte ihnen zu".

Wie geht es den Kindern und Jugendlichen in Monrovia?

Die jungen Menschen leiden unter den Folgen eines jahrzehntelangen Rebellenkrieges und der Ebola-Katastrophe. Das Bildungssystem gilt als eines der schlechtesten weltweit. Polizei- und Justizwesen sind korrupt. Das Gesundheitssystem liegt am Boden. Nach einer neuen Studie sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung von akuter Hungersnot betroffen. Die Liste könnte ich fortführen.

Kinder leben in Monrovia auf Friedhöfen

Letztendlich fatal aber ist, dass die Krise die Familien und damit die Kinder erreicht hat. Trotz harter Arbeit reicht der Tageslohn nicht aus, um die Familie zu ernähren. Frust und daraus resultierende Aggressionen kriegen die Kinder ab. Familien zerbrechen, Kinder landen reihenweise auf der Straße. Mir sind zahlreiche Kinder begegnet, die Drogen konsumieren, um ihrem Alltag zu entkommen. Das ist einfach erschreckend!

Was brauchen die Kinder und Jugendlichen am meisten?

Die jungen Menschen brauchen Begegnungen mit Personen, die ihre Probleme ernst nehmen. Menschen, die ihnen helfen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen und ihnen Zukunftsperspektiven aufzeigen. Die Jugendlichen brauchen Vorbilder und sie brauchen Aufmerksamkeit! Das bekommen sie aber meistens nicht und deshalb sinken sie immer weiter ab: In einen Teufelskreis von Drogensucht, Prostitution, Beschaffungskriminalität und letztendlich Krankheit und Verzweiflung.

Was können die Salesianer tun?

Wir müssen für die Kinder und Jugendlichen da sein. Um es mit Papst Franziskus zu sagen, in den Peripherien und Brennpunkten präsent sein. Es braucht eine nachhaltige Partnerschaft zwischen den Kindern und den Salesianern. Und das kann und darf nicht nur eine unverbindliche Absichtserklärung sein. So, wie wir es oft aus der Politik kennen.

Schul-und Berufsbildung als Chance auf ein neues Leben

Sondern es muss ganz konkret bedeuten, dass wir mit den Kindern durch dick und dünn gehen. Tag und Nacht: sie von den Straßen holen und zurück in ihre Familien bringen. Sie aus den Gefängnissen zurück in die Schulen bringen, sie aus der Drogensucht in eine sinnhafte Lebenslage bringen. Sie brauchen intakte Familien, gute Schulbildung und eine zukunftsfähige Berufsausbildung.

Welche Momente oder Begegnungen geben dir Kraft?

Es war bei strömenden Regen, als ich zum ersten Mal auf dem Zentralfriedhof in Monrovia unterwegs war. Dort entdeckte ich Kinder, die in Grabstätten leben, weil sie sonst kein Dach über dem Kopf haben. Auf einmal hatte ich einen längeren Blickkontakt zu einem Kind, das in einer Grabstätte zu mir herüberschaute.

Kinder, die in Grabstätten übernachten

Nach einer Weile lächelte es mir zu. Ohne Worte. Eine kleine Geste als ein klares Zeichen. Eine Einladung, dass ich in seiner Lebenswelt willkommen bin. Das fand ich einfach überwältigend. Es erlaubte mir, näher zu treten, einzutreten in seine Welt. Das hatte mich wirklich in meinem Lebensentschluss bestärkt, gerade für die vergessenen Kinder da zu sein.

 

November 2017 - Das Interview führte Kirsten Prestin

Noch Fragen?

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos sowie die Don Bosco Schwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, weltweit benachteiligten jungen Menschen in Risikosituationen zu helfen. Sie setzen sich für eine bessere Welt mit mehr Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche an sozialen Brennpunkten ein. Don Boscos Werk gilt als die wohl größte kirchliche Schöpfung des 19. und 20. Jahrhunderts. Heute sind rund 15.000 Salesianer Don Boscos in über 1.800 Niederlassungen in 132 Ländern hauptsächlich in der Jugendarbeit tätig. 

Don Bosco ist der Name des italienischen Priesters und Seelsorgers Johannes Bosco, der sich schon vor mehr als 150 Jahren für die Jugend einsetzte. Die Jugendlichen zu Zeiten Don Boscos haben zwar unter anderen Umständen gelebt als die heutige Jugend, doch viele Probleme und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Auch heute noch leben viele junge Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben es schwer gesellschaftlich teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen. Deswegen steht der Name Don Bosco heute für ein weltweit tätiges Netzwerk mit einem erfolgreichen und bewährten pädagogischen Ansatz, das sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Don Bosco Mission Bonn fördert Projekte der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in circa 80 Ländern. Schwerpunktländer sind:

  • Afrika: Demokratische Republik Kongo, Ghana, Elfenbeinküste, Kenia, Madagaskar, Ruanda, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Südsudan, Uganda.
  • Asien: Indien, Myanmar,Philippinen, Vietnam
  • Ozeanien: Papua Neuguinea, Salomonen
  • Lateinamerika: Argentinien, Bolivien, Haiti, Kolumbien, Peru
  • Nahost: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei
  • Osteuropa: Albanien, Republik Moldau, Rumänien

Eine Übersicht finden Sie in unserer Länderkarte.

In unseren Projekten fördern wir Kinder und Jugendliche weltweit, die am Rand der Gesellschaft leben oder Gefahr laufen, ausgegrenzt zu werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen, eine zerrüttete Herkunftsfamilie, Drogenerfahrung, Aberglaube, Leben im Slum, Zugehörigkeit zu einer ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe oder aufgrund der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.

Wir engagieren uns für junge Menschen in Not – unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht, sozialer Herkunft und Weltanschauung.
Damit das Leben dieser jungen Menschen gelingt!

Don Bosco Mission Bonn veröffentlicht seine Jahresberichte im Internet. Auf Wunsch können sie auch zugesandt werden. Der Jahresbericht informiert über die Struktur von Don Bosco Mission Bonn, die Mitarbeiter, Mittelverwendung sowie Einnahmen und Ausgaben. Sollten Sie noch zusätzliche Fragen haben, gibt der Spender-Service Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch unter 0228-53965-20 oder per E-Mail an info@donboscomission.de Auskunft.