Interview: Letzte Hoffnung Flüchtlingscamp

Pater Josef Grünner SDB besuchte drei afrikanische Flüchtlingscamps: Palabek in Uganda, Kakuma in Kenia und das Don Bosco Camp bei Juba im Südsudan . Die Reise und vor allem die Begegnungen mit den Menschen beeindruckten ihn sehr.

"Ich bewundere ihr Gottvertrauen"

Vom 14. bis 24.10.2019 war Pater Josef Grünner SDB, Missionsprokurator von Don Bosco Mission Bonn, zusammen mit dem Generalökonom Jean Paul Muller SDB in Flüchtlingscamps in Kenia, Uganda und im Südsudan. Im Interview erzählt der 70jährige von seinen Eindrücken und dem Auftrag der Salesianer, die in den Camps tätig sind.

Wie unterscheiden sich die Flüchtlingscamps?

In Kakuma kommen die Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Sehr unterschiedliche Ethnien treffen aufeinander. Es gibt junge Menschen, die kommen sogar gezielt hierhin, um eine Ausbildung zu machen. In ihrer Heimat haben sie diese Möglichkeit nicht. 100.000 Menschen leben im „Niemandsland“ - das bedeutet Kakuma. Es gehört mit zuden gößten Flüchtlingslagern der Welt.

Willkommenskultur Ugandas

Das Flüchtlingslager Palabek ist anders konzipiert. Es ist als eine dauerhafte Ansiedlung gedacht. Die ugandische Regierung pflegt im Gegensatz zu anderen Regierungen eine Willkommenskultur. Die Flüchtlinge erhalten ein kleines Stück Land. Da können sie sich eine Hütte bauen und Haustiere halten. Die Regierung ist daran interessiert, dass die Menschen das Land kultivieren.

Frauen und Kinder

Im Südsudan, dem jüngsten Staat Afrikas, leben Flüchtlinge auf einem großen Gelände der Salesianer am Rande der Hauptstadt Juba. 15.000 Menschen - meistens Frauen und Kinder- werden dort von den Mitbrüdern  und den Don Bosco Schwestern versorgt. Die Kinder und Jugendlichen können unsere Schule besuchen oder eine Berufsausbildung in einem handwerklichen Beruf, der Landwirtschaft oder auch im KFZ-und Elektrobereich absolvieren.

Was ist der salesianische Auftrag in den Flüchtlingscamps ?

Die Salesianer üben vor allem Solidarität und fördern die Gemeinschaft. Sie öffnen ihr Gelände und ihre Häuser für die Menschen, die alles verloren haben. Jungen Menschen bieten sie Sport und Spielstätten und ein vielfältiges Freizeitprogramm. Jeden Tag möchten sie tausenden von Menschen zeigen, dass sie bei Don Bosco willkommen sind. Im Gegensatz zu anderen Organisationen leben die Salesianer und die Don Bosco Schwestern im Flüchtlingscamp mit den Menschen zusammen.

Im Geiste Don Boscos

Unser Auftrag umfasst - ganz im Geist Don Boscos - Freizeit, Begegnung, Bildung und pastorale Aufgaben. Die Kinder und Jugendlichen sollen die Möglichkeit erhalten, zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen. Das eröffnet ihnen neue Perspektiven. Ich habe zudem den Eindruck gewonnen, dass für die Menschen auch Glaubensbildung und -begleitung sehr wichtig sind.  Seelsorger und Katecheten/innen sind wichtige Ansprechpartner für sie.

Christlicher Beistand

In ihrer schweren Situation ist der christliche Beistand ausdrücklich gewünscht. Und das macht unseren einzigartigen Dienst aus, denn das leistet niemand sonst so vor Ort. Entscheidend ist die Ganzheitlichkeit: Ausbildung, Spielplatz, Gemeinschaft und Glauben.

Eindrücke aus den Flüchtlingscamps:

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Durch meine Besuche in den Flüchtlingscamps habe ich einmal mehr verstanden, wie wertvoll es ist, für Menschen da zu sein. Das beinhaltet für mich die Assistenz, von der Don Bosco spricht:  jungen Menschen zur Seite stehen, ihnen Würde geben, sich für sie zu interessieren und sie zu unterstützen. Ein Stück Leben mit ihnen zu teilen! Das ist mir erst hier wirklich bewusstgeworden.

Kraft und Elan

Die Flüchtlinge sind erstaunlich hoffnungsvoll und wollen sich eine bessere Zukunft aufbauen. Beeindruckt hat mich , wie die Menschen ihre Situation angenommen haben. Dass sie nicht verzweifeln, sondern optimistisch sind und mitanpacken. Sie verfügen über ein gutes Maß an Gottvertrauen. Die Kraft, der Elan und die Energie dieser Menschen bewundere ich sehr – auch die meiner Mitbrüder. Sie müssen unter schwierigsten Bedingungen leben, z.B. ohne Strom, fließend Wasser und Internet. Das nehmen sie alles gerne in Kauf, um für die Flüchtlinge, da zu sein! Das hat mich wirklich sehr beeindruckt.

Oktober 2019 - Das Interview führte Kirsten Prestin

Noch Fragen?

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos sowie die Don Bosco Schwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, weltweit benachteiligten jungen Menschen in Risikosituationen zu helfen. Sie setzen sich für eine bessere Welt mit mehr Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche an sozialen Brennpunkten ein. Don Boscos Werk gilt als die wohl größte kirchliche Schöpfung des 19. und 20. Jahrhunderts. Heute sind rund 15.000 Salesianer Don Boscos in über 1.800 Niederlassungen in 132 Ländern hauptsächlich in der Jugendarbeit tätig. 

Don Bosco ist der Name des italienischen Priesters und Seelsorgers Johannes Bosco, der sich schon vor mehr als 150 Jahren für die Jugend einsetzte. Die Jugendlichen zu Zeiten Don Boscos haben zwar unter anderen Umständen gelebt als die heutige Jugend, doch viele Probleme und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Auch heute noch leben viele junge Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben es schwer gesellschaftlich teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen. Deswegen steht der Name Don Bosco heute für ein weltweit tätiges Netzwerk mit einem erfolgreichen und bewährten pädagogischen Ansatz, das sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Don Bosco Mission Bonn fördert Projekte der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in circa 80 Ländern. Schwerpunktländer sind:

  • Afrika: Demokratische Republik Kongo, Ghana, Elfenbeinküste, Kenia, Madagaskar, Ruanda, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Südsudan, Uganda.
  • Asien: Indien, Myanmar,Philippinen, Vietnam
  • Ozeanien: Papua Neuguinea, Salomonen
  • Lateinamerika: Argentinien, Bolivien, Haiti, Kolumbien, Peru
  • Nahost: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei
  • Osteuropa: Albanien, Republik Moldau, Rumänien

Eine Übersicht finden Sie in unserer Länderkarte.

In unseren Projekten fördern wir Kinder und Jugendliche weltweit, die am Rand der Gesellschaft leben oder Gefahr laufen, ausgegrenzt zu werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen, eine zerrüttete Herkunftsfamilie, Drogenerfahrung, Aberglaube, Leben im Slum, Zugehörigkeit zu einer ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe oder aufgrund der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.

Wir engagieren uns für junge Menschen in Not – unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht, sozialer Herkunft und Weltanschauung.
Damit das Leben dieser jungen Menschen gelingt!

Don Bosco Mission Bonn veröffentlicht seine Jahresberichte im Internet. Auf Wunsch können sie auch zugesandt werden. Der Jahresbericht informiert über die Struktur von Don Bosco Mission Bonn, die Mitarbeiter, Mittelverwendung sowie Einnahmen und Ausgaben. Sollten Sie noch zusätzliche Fragen haben, gibt der Spender-Service Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch unter 0228-53965-20 oder per E-Mail an info@donboscomission.de Auskunft.