Zwei Frauen und ein Kind auf der Straße in der ZAR in der Hoffnung auf baldigen Frieden Zwei Frauen und ein Kind auf der Straße in der ZAR in der Hoffnung auf baldigen Frieden

Interview: Konflikt in der ZAR

In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) tobt auch weiterhin ein blutiger Bürgerkrieg. Viele Kinder und Jugendliche werden zu Kämpfern ausgebildet. Don Bosco hilft ehemaligen Kindersoldaten. Pater Désiré Adjeckam SDB erzählt, wie das gelingen kann.

"Die Menschen sehnen sich nach Frieden."

Pater Désiré Adjeckam SDB leitet das Don Bosco Zentrum in der Hauptstadt Bangui. Rund 700 ehemalige Kindersoldaten werden dort betreut.Die Jugendlichen erhalten psychosoziale Hilfe und können einen technischen Beruf erlernen. Pater Luk Delft SDB, Koordinator der Caritas für die ZAR, arbeitet eng mit Don Bosco zusammen.

Wie ist die aktuelle Situation in der ZAR?

Pater Luk Delft: Der Papstbesuch in Bangui im November 2015 war sehr wichtig für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik. Er hat ihnen gezeigt, dass sie nicht völlig vergessen sind. Der Papst hat Hoffnung verbreitet - sowohl bei Christen als auch Muslimen. Hoffnung auf einen baldigen Frieden haben auch die demokratischen Wahlen gemacht. Das Problem ist nur, dass der neue Präsident nur 20 Prozent des Landes kontrolliert. In den anderen Gebieten haben bewaffnete Gruppen das Sagen, die sich blutig bekämpfen.

Hilfe für Kindersoldaten

Pater Désiré Adjeckam: In unserer Einrichtung in Damala betreuen wir Kinder und Jugendliche, die in bewaffneten Gruppen gekämpft haben. Die Jugendlichen wurden zu Kämpfern ausgebildet und haben Schreckliches erlebt. Alle sind traumatisiert und brauchen psychosoziale Hilfe. 700 ehemalige jugendliche Kämpfer werden zurzeit von uns betreut. Sie werden zudem in technischen Berufen ausgebildet.

Wie kann man jungen Menschen am besten helfen?

Pater Désiré: Das Wichtigste ist Bildung und Erziehung. Fast drei Generationen sind ohne Bildung aufgewachsen. Die meisten Jungen und Mädchen haben nie eine Schule besucht. Dabei ist Bildung das einzige Mittel, um den Konflikt zu beenden. Junge Leute, die Zugang zu Bildung haben, werden keine Kämpfer mehr. Sie erkennen, dass Gewalt keine Lösung ist und wünschen sich eine friedvolle Zukunft.

Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik

Pater Luk: Tatsächlich gehört der Gewaltkonflikt in der Zentralafrikanischen Republik zu den vergessenen Konflikten der Welt. Das ganze Land ist bewaffnet, es gibt keine Justiz und keine Sicherheit mehr für die Menschen. Der Konflikt scheint in aller Welt vergessen zu sein, dabei stehen wir kurz vor einem Genozid.

Fühlen sie sich von der internationalen Gemeinschaft allein gelassen?

Pater Luk: Tatsächlich gehört der Gewaltkonflikt in der Zentralafrikanischen Republik zu den vergessenen Konflikten der Welt. Das ganze Land ist bewaffnet, es gibt keine Justiz und keine Sicherheit mehr für die Menschen. Der Konflikt scheint in aller Welt vergessen zu sein, dabei stehen wir kurz vor einem Genozid.

ZAR: International Vergessener Konflikt

Pater Désiré: Die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik sehnen sich nach Frieden - egal, ob Christen oder Muslime. Nach den Wahlen hat die Bevölkerung auf schnellen Frieden gehofft. Doch jetzt stellen sie fest, dass die Gewalt immer mehr zunimmt. Auch die französische Armee oder die Blauhelme konnten nichts daran ändern. Die Menschen müssen erkennen, dass Frieden nicht von außen kommen kann, sondern dass sie sich an dem Prozess beteiligen müssen. Sie sind die Protagonisten und können etwas verändern! 

September 2017 - Das Interview führte Kirsten Prestin

Noch Fragen?

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos sowie die Don Bosco Schwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, weltweit benachteiligten jungen Menschen in Risikosituationen zu helfen. Sie setzen sich für eine bessere Welt mit mehr Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche an sozialen Brennpunkten ein. Don Boscos Werk gilt als die wohl größte kirchliche Schöpfung des 19. und 20. Jahrhunderts. Heute sind rund 15.000 Salesianer Don Boscos in über 1.800 Niederlassungen in 132 Ländern hauptsächlich in der Jugendarbeit tätig. 

Don Bosco ist der Name des italienischen Priesters und Seelsorgers Johannes Bosco, der sich schon vor mehr als 150 Jahren für die Jugend einsetzte. Die Jugendlichen zu Zeiten Don Boscos haben zwar unter anderen Umständen gelebt als die heutige Jugend, doch viele Probleme und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Auch heute noch leben viele junge Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben es schwer gesellschaftlich teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen. Deswegen steht der Name Don Bosco heute für ein weltweit tätiges Netzwerk mit einem erfolgreichen und bewährten pädagogischen Ansatz, das sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Don Bosco Mission Bonn fördert Projekte der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in circa 80 Ländern. Schwerpunktländer sind:

  • Afrika: Demokratische Republik Kongo, Ghana, Elfenbeinküste, Kenia, Madagaskar, Ruanda, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Südsudan, Uganda.
  • Asien: Indien, Myanmar,Philippinen, Vietnam
  • Ozeanien: Papua Neuguinea, Salomonen
  • Lateinamerika: Argentinien, Bolivien, Haiti, Kolumbien, Peru
  • Nahost: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei
  • Osteuropa: Albanien, Republik Moldau, Rumänien

Eine Übersicht finden Sie in unserer Länderkarte.

In unseren Projekten fördern wir Kinder und Jugendliche weltweit, die am Rand der Gesellschaft leben oder Gefahr laufen, ausgegrenzt zu werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen, eine zerrüttete Herkunftsfamilie, Drogenerfahrung, Aberglaube, Leben im Slum, Zugehörigkeit zu einer ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe oder aufgrund der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.

Wir engagieren uns für junge Menschen in Not – unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht, sozialer Herkunft und Weltanschauung.
Damit das Leben dieser jungen Menschen gelingt!

Don Bosco Mission Bonn veröffentlicht seine Jahresberichte im Internet. Auf Wunsch können sie auch zugesandt werden. Der Jahresbericht informiert über die Struktur von Don Bosco Mission Bonn, die Mitarbeiter, Mittelverwendung sowie Einnahmen und Ausgaben. Sollten Sie noch zusätzliche Fragen haben, gibt der Spender-Service Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch unter 0228-53965-20 oder per E-Mail an info@donboscomission.de Auskunft.