zwei kleine Kinder spielen und leben auf der Straße in Madagaskar zwei kleine Kinder spielen und leben auf der Straße in Madagaskar

Interview: Wege aus der Armut

Viele Familien in Madagaskar leben in bitterer Armut. Die meisten Kinder haben keinen Zugang zu Bildung. Salesianerpater Giuseppe Miele möchte das ändern.

"Viele Familien stehen vor dem Nichts."

Seit 36 Jahren ist Pater Giuseppe Miele SDB auf Madagaskar. Dort setzt er sich dafür ein, dass Jugendliche Zugang zu Bildung bekommen. Denn nur mit Bildung kann die Armut überwunden werden, glaubt der Salesianerpater.

Hat sich Madagaskar in den letzten 36 Jahren sehr verändert?

Es gibt sicher politische und zivilgesellschaftliche Fortschritte. Eine besonders positive Entwicklung ist, dass Eltern immer mehr die Bedeutung von Bildung verstehen. Teilweise bringen sie große Opfer, um die Schulgebühren zu bezahlen. Sie wollen, dass ihre Kinder bessere Zukunftsaussichten haben. Das war früher nicht so!

Korruption ist in Madagaskar weit verbreitet

Als negative Entwicklung empfinde ich, dass die Menschen vor allem nach sich selbst schauen. Jeder ist doch sehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Zudem hält man immer noch an politischen Autoritäten fest. Korruption ist immer noch weit verbreitet - auch in der Politik. In den 36 Jahren habe ich nicht eine Regierung erlebt, für die das Wohl der Menschen wirklich im Vordergrund stand.

Was sind die größten Herausforderungen in der Zukunft?

Unsere Einrichtung befindet sich in der Peripherie von Fianarantsoa. Rund 17.000 Familien leben dort praktisch von der Hand in den Mund. Die meisten halten sich mit dem Verkauf von Gemüse über Wasser. Die Menschen sind aus ihren Dörfern geflüchtet, weil sie gehofft haben, in der Stadt Arbeit zu finden. Sie haben sich ein besseres Leben gewünscht. Aber die Realität sieht anders aus. Die Familien stehen vor dem Nichts.

Wie viele Kinder leben auf der Straße?

Rund 300 bis 400 Kinder leben auf der Straße. Oft sind sie erst sieben Jahre alt. Um zu überleben, schließen sie sich anderen Straßenkindern an. Die meisten Kinder wurden von zu Hause ausgestoßen. Ihre Eltern interessieren sich nicht mehr für sie. Oft ist es auch Gewalt in der Familie, die die Jungen und Mädchen auf die Straße treibt. Wir unterstützen auch Teenagermütter. Ihre Babys werden medizinisch betreut und die jungen Frauen können eine Ausbildung zur Näherin machen.

Niemals Druck auf Straßenkinder ausüben

Mit 30 Straßenkindern haben wir ganz guten Kontakt. Wichtig ist, sie niemals unter Druck zu setzen. Wenn man ihnen Vorschriften macht, sind sie sofort wieder weg. Wir bieten ihnen an, dass sie bei uns etwas essen oder auch ihre Kleidung waschen können. Es gibt auch Schlafstellen zum Übernachten. Alles ist aber immer auf freiwilliger Basis. Das ist auch die Grundlage der Don Bosco Pädagogik. Wenn die Jugendlichen Interesse haben, bringen wir ihnen auch Lesen und Schreiben bei. Später können sie dann auch an regulärem Schulunterricht teilnehmen.

Gibt es denn auch Erfolgsgeschichten?

Pater Jannot kam letztens freudestrahlend mit einem Jugendlichen in unsere Einrichtung. Der Jugendliche war ein ehemaliges Straßenkind. Er hatte bei uns gelernt und durch unsere Vermittlung später ein Praktikum als Schweißer in einem großen Unternehmen machen können. Jetzt hatte er seinen Abschluss gemacht. Die Firma hat ihm sofort einen festen Arbeitsplatz angeboten. Das hat uns alle sehr glücklich gemacht! Das sind Erfolgsgeschichten, die uns zeigen, dass unser Einsatz sich lohnt!

August 2017 - Das Interview führte Kirsten Prestin

Noch Fragen?

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos sowie die Don Bosco Schwestern haben es sich zum Ziel gesetzt, weltweit benachteiligten jungen Menschen in Risikosituationen zu helfen. Sie setzen sich für eine bessere Welt mit mehr Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche an sozialen Brennpunkten ein. Don Boscos Werk gilt als die wohl größte kirchliche Schöpfung des 19. und 20. Jahrhunderts. Heute sind rund 15.000 Salesianer Don Boscos in über 1.800 Niederlassungen in 132 Ländern hauptsächlich in der Jugendarbeit tätig. 

Don Bosco ist der Name des italienischen Priesters und Seelsorgers Johannes Bosco, der sich schon vor mehr als 150 Jahren für die Jugend einsetzte. Die Jugendlichen zu Zeiten Don Boscos haben zwar unter anderen Umständen gelebt als die heutige Jugend, doch viele Probleme und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Auch heute noch leben viele junge Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie haben es schwer gesellschaftlich teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen. Deswegen steht der Name Don Bosco heute für ein weltweit tätiges Netzwerk mit einem erfolgreichen und bewährten pädagogischen Ansatz, das sich für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Don Bosco Mission Bonn fördert Projekte der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in circa 80 Ländern. Schwerpunktländer sind:

  • Afrika: Demokratische Republik Kongo, Ghana, Elfenbeinküste, Kenia, Madagaskar, Ruanda, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Südsudan, Uganda.
  • Asien: Indien, Myanmar,Philippinen, Vietnam
  • Ozeanien: Papua Neuguinea, Salomonen
  • Lateinamerika: Argentinien, Bolivien, Haiti, Kolumbien, Peru
  • Nahost: Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei
  • Osteuropa: Albanien, Republik Moldau, Rumänien

Eine Übersicht finden Sie in unserer Länderkarte.

In unseren Projekten fördern wir Kinder und Jugendliche weltweit, die am Rand der Gesellschaft leben oder Gefahr laufen, ausgegrenzt zu werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigungen, eine zerrüttete Herkunftsfamilie, Drogenerfahrung, Aberglaube, Leben im Slum, Zugehörigkeit zu einer ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe oder aufgrund der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.

Wir engagieren uns für junge Menschen in Not – unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht, sozialer Herkunft und Weltanschauung.
Damit das Leben dieser jungen Menschen gelingt!

Don Bosco Mission Bonn veröffentlicht seine Jahresberichte im Internet. Auf Wunsch können sie auch zugesandt werden. Der Jahresbericht informiert über die Struktur von Don Bosco Mission Bonn, die Mitarbeiter, Mittelverwendung sowie Einnahmen und Ausgaben. Sollten Sie noch zusätzliche Fragen haben, gibt der Spender-Service Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch unter 0228-53965-20 oder per E-Mail an info@donboscomission.de Auskunft.